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Die meisten von Euch haben es wahrscheinlich schon mitbekommen, doch für die, die es noch nicht wussten: Twenty One Pilots sind zurück und das aufregender und größer als je zuvor! Nachdem die Tyler Joseph und Josh Dun, die beiden Mitglieder von Twenty One Pilots, über ein Jahr Pause von Live-Auftritten, Social Media und Musik gemacht haben und ihren letzten Auftritt in Europa vor fast zwei Jahren hatten, sind sie wieder da; mit Tourdaten, Musik und einem ersten Auftritt in London, den ich mit erleben durfte!

A Complete Diversion - so haben sie die intime Show in London genannt, die in der O2 Academy Brixton stattfand. Nachdem die beiden vor einigen Wochen ihr neues Album Trench angekündigt hatten, zusammen mit einer Welttournee und vier neuen Songs plus Musikvideos, sollten sie nun also London unsicher machen. Es sollte der erste Auftritt nach ihrer Pause sein und Fans auf der ganzen Welt planten mit der Ankündigung der Show ihre Anreise nach London. Die Tickets waren bereits am ersten Tag ausverkauft und nur durch Glück konnte ich noch eins ergattern. Was mich und die anderen fast 6000 Fans bei dem ersten Twenty One Pilots Konzert nach der Pause jedoch erwarten sollte, konnte niemand so richtig sagen. Klar war, dass wir die ersten sein würden, die die neuen Lieder live erleben - aber wie die Bühnenshow aufgebaut oder die Setlist sein würde, ob irgendwelche verrückten Sachen passieren oder wir einfach 2 Stunden lang auf eine leere Bühne starren würden, wusst keiner. 

Wie auch bei der letzten Tour ließen die Fans es sich trotzdem nicht nehmen, wieder vor der Halle zu schlafen - dieses Mal jedoch ohne mich. Doch auch wenn ich nicht dabei war, ging die Aufregung nicht an mir vorbei. Zwei Tage vor der geheimen Show in der Brixton Academy versammelten sich dort die ersten Fans um dort gemeinsam für das erste Konzert ihrer Lieblingsband anzustehen. Auf Twitter und instagram gingen die ersten Fotos und Videos rum; davon, wie sie sich das neuerdings gelbe Logo der Band auf die Klamotten klebten und ihre Freude miteinander teilten und als ich zwei Tage später und 15 Minuten vor Einlass an der Halle ankam, ging die Schlange bereits einmal um die gesamte Halle rum und die Straße runter. Überall waren Menschen mit gelbem Makeup, gelben Haaren, gelben Klamotten. Twenty One Pilots waren zurück und das war hier ganz stark zu spüren. 

Ich stellte mich zu ein paar deutschen Freunden in die Schlange und wartete darauf, in die Halle zu gehen. Als wir nach kurzer Zeit in der Halle waren und den Innenraum betraten, stand ich in einer großen Halle, die als Dach eine runde schwarze Kuppel hatte. Über uns befand sich ein bestuhlter Balkon, der antik verziert war. Die Wände um uns herum bestanden ebenfalls aus Rundbögen und antiken Verzierungen. Wenn man an die Decke geguckt hat, gab diese einem das Gefühl, man würde sich draußen befinden anstatt in einer Konzerthalle. Alles war aufeinander abgestimmt und man fühlte sich wie in einem Hinterhof eines alten Schlosses. Dass hier Twenty One Pilots spielen sollten, war mir noch komplett unklar. Wir warten ca. 1 1/2 Stunden bevor die Lichter ausgingen und die ersten Töne von Jumpsuit durch die Halle schallten. 
Von allen Seiten schreiten die Leute los, als der Vorhang fiel. Auf der Bühne: Josh Dun mit seinen Drums, ein Klavier, Tyler Joseph und ein brennendes Auto! Bereits einige Tage zuvor ging das Gerücht um, dass die Band mit einem brennenden Auto auf der Bühne auftreten würden. Niemand wusste so recht, was davon zu halten ist, ob man daran glauben sollte oder alles wieder nur Gerede war. Aber tatsächlich, stand dort ein brennendes Auto hinten in der Mitte von der Bühne. 

Mit ihrem Einstiegssong Jumpsuit, welcher auch der erste Song war, der veröffentlicht wurde, starteten Twenty One Pilots auch gleich mit ihrem rockigsten Lied der Neuerscheinungen in die Show. Bereits jetzt versprach das Konzert vielversprechend zu werden. Nachdem die Fans 3 Jahre auf neue Musik und - zumindest in Europa - fast 2 Jahre auf Live Shows gewartet hatten, war allen die Freude und Aufregung über das Comeback und die Möglichkeit in London dabei zu sein, deutlich anzumerken. Aufregung und Adrenalin, Liebe und pure Freude waren in der unglaublich kunstvollen Halle an diesem Abend großgeschrieben. Die Halle verwandelte sich zu einer einzigen Party. Überall gingen gelbe Handylichter an und die Menge sprang auf und ab, als gäbe es kein Morgen. Egal, ob die Songs alt oder neu waren, die Fans waren textsicher. 

Wie auch bei den anderen Konzerten der beiden Jungs brauchte es auch dieses Mal nicht sonderlich viel, um die Show zu einem Spektakel zu machen. Im Groben und Ganzen war das Konzert, bis auf die neuen Lieder und das brennende Auto auf der Bühne nicht sonderlich anders als die Shows von vor zwei Jahren. Wieder ließen sich Tyler und Josh vom Publikum tragen, um von dort aus zu performen, wie auch damals machte Josh wieder einen Backflip vom Kalvier runter und wieder verschwand Tyler während des Car Radio breaks und tauchte oben auf dem Balkon über uns wieder auf. Es war alles wie immer, alles war genau so aufregend und unglaublich wie immer, doch einen großen Unterschied gab es: die Energie auf der Bühne war eine ganz andere als vor zwei Jahren. Alles war wie immer, aber alles war auch anders - energetischer, lauter, glücklicher. 

Eins war uns allen vor zwei Jahren bewusst: Josh und Tyler brauchten definitiv eine Pause nachdem sie durch die ganze Welt gereist waren, mit ihren Songs die spitzen der Charts eingenommen haben und sich eine riesengroße Fanbase aufgebaut haben, die für diese Band an ihre Grenzen geht. Dass sie diese Auszeit nun hatten, wurde mit jeder Sekunde, die ich dort verbrachte immer deutlicher. Twenty One Pilots genossen es klar und deutlich wieder auf der Bühne zu sein, den Fans dabei zuzuhören, wie sie die neuen Lieder bereits auswendig können und die Halle mit ihren gelben Lichtern zum strahlen bringen. Kurz vor Ende spielten die Jungs ihren aktuellsten Song "My Blood". Im Refrain teilte Tyler die Menge in zwei Hälften ein und ließ die eine Hälfte die erste Stimme und die andere Hälfte die zweite Stimme vom Chorus singen. Die Chöre waren laut und alle kannten den Text bereits bevor Tyler ihn uns vorgesungen hatte. Während wir dort standen und sangen, fing er über das ganze Gesicht an zu strahlen und man sah ihm an, dass diese Show genau das geworden war, was er sich vorgestellt hatte. Alles war perfekt in diesen Minuten, als sie auf der Bühne standen, alle waren glücklich und Twenty One Pilots waren zurück, ob nun mit rot-weißem Konfetti oder gelbem. 

Es war eine unglaubliche Stimmung die aufkam und mit jedem Song immer besser wurde. Egal, ob es ein "neuer" Song wie  Heathens vom Suicide Squad Soundtrack war, Lane Boy vom letzten Album, ein komplett neuer Song oder Holding On To You ein älterer aber unglaublich energetischer Song - Bühne, Innenraum und Balkon wurden zu Orten voller Emotionen. Das hier war ein komplett neues Erlebnis von einer Twenty One Pilots Show, trotz so weniger Änderungen. London war an diesem Abend der fröhlichste Ort der Welt, an dem Menschen aus aller Welt zusammenkamen und die Rückkehr ihrer Lieblingsband gefeiert haben. Texte, die in den Kopf gehen, Melodien, die nie aus dem Kopf gehen und für eine emotionale Achterbahn sorgten. Es gab sowohl lachende und weinende Gesichter, springende und singende Menschen und einen unvergesslichen Abend, der weltweit über livestreams verfolgt wurde - denn, Twenty One Pilots are back and so are we. 


Der zweite Tag startete für mich relativ früh. Komplett ausgeschlafen machte ich mich gegen 9:30 Uhr auf den Weg zum Supermarkt auf dem sogenannten Playground, um noch einige Dinge einzukaufen, die ich einfach nicht den weiten Weg von Chemnitz nach Scheeßel transportieren wollte. Auf dem Rückweg holte ich mir einen Kaffee und als ich wieder zurück im Camp ankam, waren meine Freunde auch alle schon wach und die nächsten Paar Stunden verbrachten wir alle in unseren Campingstühlen, bevor es gegen Nachmittag wieder auf das Gelände ging. 

Freitag der 22. Juni 2018 - Tag 2 vom Hurricane Festival

Mein zweiter Tag auf dem Hurricane Festival starte etwas früher als der vorherige; nämlich schon um 16 Uhr, mit einem Act, den ich letztes Jahr leider verpasst habe: SXTN. Das Berliner Hip-Hop-Duo hab ich bereits 2017 auf dem Kosmonaut Festival gesehen und hatte mich auch letztes Jahr auf dem Hurricane Festival gefreut, die beiden Berliner Frauen zu sehen, aber leider standen wir damals zu lange am Einlass an. Das sollte mir dieses Jahr nicht passieren. Gemeinsam mit zwei Freunden machte ich mich dieses Mal rechtzeitig auf den Weg und als wir ankamen, lief das Konzert erst wenige Minuten. Wie auch schon letztes Jahr auf dem Kosmonaut war von Minute eins eine absolute Hammer Stimmung auf der Bühne und im Publikum zu sehen, die sofort ansteckte und sogar da ankamen wo wir standen, was relativ weit hinten war. Auch bei uns in der Umgebung sprangen die Leute rum, liefen gemeinsam im Kreis bevor dieser überging in einen Mini-Moshpit. Mit bei mir war eine Freundin, die kein besonders großer SXTN Fan war, doch ich überredete sie, mitzukommen, was sich auch deutlich gelohnt hatte, denn nach dem Konzert kam sie total begeistert von der Show zu mir. SXTN lieben es auf der Bühne zu stehen, zu feiern und nebenbei noch eine Message zu verbreiten. Egal ob Fan oder nicht, bei ihren Konzerten wird jeder zum tanzen gebracht und von der Power der beiden Frauen auf der Bühne angesteckt werden! 

Auch heute stand mir wieder ein Genre-Wechsel nach dem nächsten bevor und das sollte bereits nach dem auspowernden Konzert von SXTN passieren - denn nach deutschem Hip-Hop auf der Blue Stage ging es nun weiter zu Old-School-Disko Sound auf der White Stage; nämlich zu Parcels. Parcels sind eine Band aus Australien, die sich bereits in der Schule als Band zusammenfand. Ich hatte lange nicht mehr in die Musik der fünf Jungs reingehört, doch freute mich trotzdem, als ich ihren Namen auf dem diesjährigen Lineup entdeckte. Gemeinsam mit der Freundin, mit der ich zuvor schon bei SXTN stand machte ich mich auf den Weg zum großen weißen Zelt, etwas weiter hinten auf dem Gelände, denn dort sollte das Konzert um 17 Uhr anfangen. Natürlich kamen wir erst ein wenig später von der Blue Stage wieder, sodass das Konzert bereits in vollem Gange war, als wir ankamen, doch das machte uns beiden nichts aus. Parcels sind keine Band, von der ich jedes Lied von vorne bis hinten komplett mitsingen kann, doch das machte nichts aus. Als wir ankamen standen die fünf Mitglieder der Band auf der Bühne, hinter ihnen hing ein großer glitzernder Vorhang die Wand runter und von oben hinab schienen die Lichter auf sie herauf. Das Licht reflektierte durch das gesamte Zelt und brachte bereits beim Betreten eine gewisse Disko Stimmung auf. Wir stellten uns weiter nach hinten, doch immer noch weit genug nach vorne, um genug von der Bühne zu sehen. Von Anfang an motivierten mich die ruhigen Old-School-Disko Klänge dazu meine Füße zu bewegen und als wir dann unseren endgültigen Platz im Publikum eingenommen hatten, ging der Drang der Bewegung weiter über in den Rest meines Körpers und es machte überhaupt nichts aus, dass ich einen Großteil der Lieder nicht so gut kannte. 

Und so sollte es auch weiter gehen, denn als nächstes standen auf unserem Zeitplan The Kooks - eine Band aus Brighton, im Süden Englands. Die Indie Band gibt es nun schon seit mehr als 10 Jahren und sie sind mit Hits wie "Naive" und "Seaside" eine der bekanntesten Indiepop Bands, die Großbritannien hervorgebracht hat. The Kooks sind jeher eine Band, die ich schon immer einmal live sehen wollte, es jedoch nie geschafft habe; doch das sollte sich nun ändern. Ab 19:30 Uhr machten die Briten die Green Stage unsicher. Das Bühnenset der Band war nicht besonders aufwändig. Hinter der Band hing ein Vorhang auf dem oben links groß "The Kooks" drauf stand. Die vier Jungs auf der Bühne jedoch lieferten von Beginn an eine unglaubliche Show ab. Zwar war der Himmel über uns grau und es wehte ein starker, eisiger Wind umher, doch die positiven Indiepop-Töne ließen ein warmes Sommerfeeling in mir aufkommen. Insgesamt spielte die Band rund 17 Lieder, die die Menge um mich herum zum tanzen und mitsingen brachte. Das Wetter war vergessen und alles was zählte war die Band auf der Bühne und die gute Zeit, die wir alle hatten. Natürlich ließen die Briten es sich nicht nehmen, einige ihrer bekanntesten Lieder in ihr Set mit einzubauen und so brachte "Seaside" kurz vor Ende ein bisschen Ruhe in das Publikum. Ich schloss meine Augen und lies mich von der Musik mitreißen, während ich die Lieder laut in den Himmel schrie. Danach nahm die Show wieder mehr Bewegung an und als The Kooks das letzte Lied, Naive, beendeten, war ich überglücklich, dort gewesen zu sein. Trotz nicht so guten Wetters hatte ich das Gefühl, wir wären mitten im Sommer und die gute Laune war mir definitiv auch anzusehen.

Nun stand wieder ein Genre-Wechsel auf dem Programm, denn nach der britischen Indie-Band kam nun der deutsche Rapper Dendemann. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich hauptsächlich dort war, weil meine gesamte Freundesgruppe sich auf den Weg zur Blue Stage gemacht hatte, wo die Show um 20:45 Uhr beginnen sollte. Während auf der anderen Straßenseite, vor dem Pennymarkt, das Deutschlandspiel übertragen wurde, stellten wir uns mit einem Bier in der Hand dort hin, wo wir bereits bei SXTN einige Stunden vorher standen und guckten uns die Show an. Während der Show, die mich wirklich sehr positiv überrascht hat, ist mir jedoch aufgefallen, dass viele Leute eher abwesend schienen - was aber eventuell daran lag, dass wir relativ weit hinten standen. Meine Freunde jedoch ließen sich den Spaß nicht verderben und tanzten die ganze Zeit mit. Auch ich fing irgendwann an mich zu bewegen und dadurch ab und zu ein paar Tropfen Bier zu verschütten. Kurz danach ging es für einen Song zu den Beginnern, für das Hamburg Feeling, bevor wir uns dann jedoch auf den Weg zum letzten Konzert des Abends machten: Portugal. The Man.

Es war schon relativ spät, als das Konzert begann und ich hatte mich für den Tag schon ziemlich ausgepowert, weshalb wir uns weiter nach hinten an die Bar stellten und die Show von dort aus beobachteten. Die Gruppe hat viel mit Leinwänden, Bildern und Animationen gearbeitet. Das Publikum tanzte wie wild durch die Gegend und irgendwann konnte es auch mich nicht mehr halten und ich lief wie aus dem Nichts in die Menge rein und lies für ein letztes Mal an dem Abend meine gesamte restliche Energie raus. Ab dem Moment habe ich nicht mehr sonderlich viel von der Show mitbekommen, sondern konzentrierte mich einfach auf die Musik. Ich schloss meine Augen und tanzte, bis der letzte Ton aus den Boxen kam, bevor es wieder ins Camp ging. Zurück angekommen, fiel ich auch am zweiten Tag einfach nur tot ins Bett, bzw. ins Zelt.


Freitag der 23. Juni 2018 - der dritte Tag vom Hurricane Festival 2018

Als ich am Sonntag aufwachte wusste ich, dass der Sonntag für mich der beste und vor allem aufregendste Tag vom Hurricane Festival 2018 werden würde - denn am Sonntag würden nicht nur die Arctic Monkeys, eine meiner absoluten Lieblingsbands auf der Bühne stehen, sondern auch ich. Also packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Als ich zurück kam waren die meisten Leute in meinem Camp bereits wach. Wir frühstückten gemeinsam und gegen 13 Uhr machten sich die ersten auf den Weg zum Festivalgelände.

Auch ich hatte noch einige Zeit, bis es für mich hieß: Stagetime - also ließ ich es mir nicht nehmen um 13:45 Uhr Richtung White Stage zu gehen und mir Drangsal anzugucken. Als ich ankam hatte die Show bereits angefangen und ich lief in das dunkle Zelt hinein - hinein in den Charme der 80er Jahre. Harmonische Melodien, Synthies und der Ton von einem Schlagzeug empfingen mich und verschönerten mir den doch eher trägen und grauen Morgen vom letzten Tag meines Lieblingsfestivals. Erst vor kurzem ist das neue Drangsal Album erschienen, welches mich total in seinen Bann gezogen hat und das sollte nicht das Einzige bleiben. Bereits als ich Richtung Bühne lief zogen sich die soundmäßig etwas erneuerten New Wave Töne durch meinen Körper und ich wollte unbedingt tanzen, also ließ ich es mir nicht nehmen mich hinzustellen und alleine durch das Zelt zu tanzen. Das Bühnenbild war relativ einfach aufgebaut und hinten über der Band leuchtete ein großes Z auf als Symbol für das neue Album "Zores". Die Show schien von vorne bis hinten durchdacht gewesen zu sein und es war zu schön um wahr zu sein. Ich fühlte mich in eine andere Zeit zurückversetzt, in der es nicht darum ging, bei Konzerten die besten Videos und Fotos zu machen, sondern den Moment zu leben und sich von nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Um mich herum sangen alle lauthals mit und tanzten, als wenn es kein Morgen gäbe. Obwohl ich mir die Show alleine angeguckt habe, hatte ich eine unglaublich schöne Zeit in dem dunklen Zelt am Ende vom Festivalgelände.

Noch vor Ende der Show jedoch entschied ich mich wieder zurück in mein Camp zu gehen. Dort angekommen waren auch meine Freunde alle schon wieder in ihren Campingstühlen. Nun hieß es für mich: warten. Warten auf den Anruf, dass ich mich langsam hinter die Bühne begeben sollte. Warum? Wer meinen Blog schon einige Zeit verfolgt weiß, dass ich den letzten sommer mit Kraftklub verbracht habe - jedoch nicht wie bei The NBHD in Form von hinterherreisen - ich war Teil der Show und bin gemeinsam mit der Chemnitzer Band aufgetreten. Das sollte auch dieses Jahr so sein und für mich begann der Sommer mit eben dieser Show, auf meinem Lieblingsfestival, auf der Mainstage. Gegen Nachmittag kam der Anruf und ich machte mich auf den Weg, brachte meine Klamotten für die Show weg und ging wieder auf das Gelände, um mich dort mit meinen Freunden zu treffen, die am Freitag bereits auf dem Southside aufgetreten waren. Wir holten uns was zu essen und machten uns auf den Weg zur Red Stage, um uns Chefket anzugucken. Wir schauten uns die Show an, wobei wir den größten Teil damit verbrachten Fotos zu machen und über die Southside Show zu reden, bevor wir uns wieder auf den Weg hinter die Bühne machten um uns für den Auftritt auf meinem Lieblingsfestival vorzubereiten.

Quelle: Hurricane Festival Facebook Seite 
Um 20:15 Uhr hieß es dann Stage Time und als wir auf die Bühne kamen konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ich blickte in eine riesengroße Menschenmenge und stand selber beim Hurricane Festival, welches ich seit Jahren regelmäßig besuche, auf der Bühne und durfte mit Kraftklub auftreten. Insgesamt hatten wir 75 Minuten Stage time. 75 Minuten voll Power sowohl auf als auch vor der Bühne. Es war deutlich zu merken, dass der Großteil der Menschen wegen Kraftklub gekommen war. Überall wurden irgendwelche Plakate hochgehalten und schon den gesamten Tag über waren mir Menschen mit Merchandise entgegen gelaufen. Auch die Stimmung spiegelte das wieder. Lautstark hallten uns die Songtexte von der anderen Seite der Bühne aus entgegen, immer wieder öffneten sich riesengroße Kreise und Moshpits, in denen die Menschen ihre gesamte Energie raus ließen. Es war ein unglaubliches Gefühl und 75 Minuten, die ich niemals vergessen werde. Total verschwitzt und außer Puste endete das Konzert dann sowohl für mich als auch für die Band und das Publikum. Wir gingen von der Bühne runter, das Publikum jubelte noch einige Zeit und ich machte mich bereit für das aller letzte Konzert des gesamten Festivals und einen der Hauptgründe, warum ich mich so sehr auf dieses Jahr gefreut hatte: die Arctic Monkeys.

Die Band aus Sheffield in England hat bereits vor mehreren Jahren mein Herz erobert. Leider sind sie auf ihrer letzten Tour, vor einer unendlich langen Pause, nicht nach Hamburg gekommen, weshalb ich ungeduldig bis dieses Jahr warten musste, um sie endlich zu sehen und mir einen Traum zu erfüllen. Ich hab die Briten bereits im Mai in Berlin gesehen (leider habe ich es zeitlich nicht geschafft darüber zu berichten) und war komplett sprachlos von der Show, die sie mir damals geboten hatten. Die Columbiahalle war damals gefüllt mit Menschen aus ganz Europa die für die erste Show nach der Pause angereist waren. Der Raum war stickig und warm, überall wurden Bierduschen verteilt und Moshpits eröffnet. Natürlich lies ich es mir auch dieses Mal nicht verbieten, mir die Show anzugucken und so ging ich zum ersten Ton der Musik raus ins Publikum, nahm meine Freunde mit und schaute mir die Show an. Wie auch in Berlin, fing die Show mit einem meiner Lieblingssongs des im Mai erschienenen Abums "Tranquility Base Hotel + Casino" an, nämlich mit Four Out of Five. Ich wusste, jetzt konnte es nur noch besser werden. Das neue Album der Band ist eher ruhig und so überraschte es mich nicht, dass die Setlist, sowohl in Berlin als auch auf dem Hurricane aus vorwiegend alten Liedern bestand, die einen eher rockigen Touch in die Show der Band brachten. Und so gab es für mich während des Konzertes kein Halten mehr. Egal ob alte oder neue Lieder. Ich schrie die Texte in die Luft und hüpfte dazu wie ein kleines Kind auf und ab. Besonders Lieder wie 505, Cornerstone, Pretty Visitors und I Bet You Look Good On The Dancefloor holten das Fangirl in mir heraus, welches sich als junger Teenager in die Band verliebt hatte. Von Anfang bis Ende genoss ich die Show und lies all meine Energie und Liebe raus. Auch meine Freunde, die eigentlich nicht so große Fans der Band sind, konnten sich das Tanzen nicht verkneifen und so eröffneten wir unseren eigenen Tanzkreis, bevor sie wieder abreisen mussten und ich alleine dort blieb. Bis zur aller letzten Sekunde tanzte ich durch die Gegend und machte mir das letzte Konzert des Abends zum schönsten Konzert des Festivals.

Wie die Tage zuvor machte ich mich danach komplett fertig und müde auf den Weg zurück ins Camp, wo ich noch eine halbe stunde mit meinen Freunden zusammen saß bevor ich mich in meinen Schlafsack legte und ein letztes Mal für dieses Jahr dort einschlief. Es waren mal wieder drei unvergessliche Tage und schon vor meiner Abreise am nächsten Tag kam in mir die Vorfreude auf das Hurricane 2019 auf, welches hoffentlich wieder so gut wird, wie die letzten Jahre. 


Nothing But Thieves ist eine britische Alternative Rock Band, bestehend aus den fünf Mitgliedern Conor Mason, Joe Langridge-Brown, Dominic Craik, Philip Blake und James Price. Gegründet hat sich die Band im Jahre 2012 und seitdem zwei Alben veröffentlicht. Mit ihrem zweiten Album "Broken Machine", welches erst im September 2017 erschienen ist, sind die fünf Briten momentan auf Tour. Am 31.01.2018 hatte ich die Möglichkeit die Band nicht nur auf ihrem Konzert im Werk2 in Leipzig zu sehen, sondern bereits vorher bei einer Acoustic Session, für die eine Freundin von mir Karten gewonnen hatte. 


31. Januar 2018 - Nothing But Thieves in Leipzig + Live Acoustic Session 

Gegen Mittag machte ich mich von Chemnitz aus auf den Weg nach Leipzig, wo ich mich mit der Freundin treffen würde, die die exklusiven Tickets für die Acoustic Session gewonnen hatte. Nachdem wir einen Kaffee zusammen getrunken hatten, machten wir uns langsam auf den Weg zum Sitz von Impericon, die das kleine Acoustic Konzert bei sich veranstalteten. Als wir ankamen standen schon einige Menschen dort und wir holten uns unsere Gästepässe, die uns erlaubten, an der Show teilzunehmen. Wie immer dauerte es jedoch noch, bis alles anfing und als es dann endlich rein ging wurden wir, zusammen mit ca. 50 - 60 anderen Menschen, in den dritten Stock, in ein kleines Fotostudio geführt, in dem wir uns gemeinsam versammelten. Sophie und ich stellten uns in die zweite Reihe und vor uns war ein kleiner Bereich für die Band vorbereitet - an der Wand im Hintergrund hing ein großer Nothing But Thieves Banner. Es dauerte noch so um die 10 Minuten bis die Band den Raum betrat. 

Um uns herum begannen alle zu klatschen und auch das ein oder andere Jubeln war zu hören. Auch wir klatschten und nachdem Conor eine kleine Ansage gemacht hatte ging es auch schon los und aus den großen Boxen, die links und rechts neben der Band standen kamen laute Töne von Instrumenten. Kurz danach begann Conor zu singen und ich konnte meinen Ohren kaum glauben. Der kleine Raum war auf einmal überfüllt mit Emotionen und die starken, impulsiven Töne, die aus seinem Mund kamen sorgten bei mir für Gänsehaut am ganzen Körper. Ich war bereits vor der Show darauf vorbereitet, dass der Sänger eine unglaublich einzigartige stimme besitzt, doch gerade Unplugged und live, klang sie viel intensiver als auf CD. Insgesamt spielte die Band fünf Lieder, von denen drei live auf Facebook übertragen wurden. 

Als ich mich ein wenig umsah, sah ich auf den Gesichtern um mich herum genau das, was ich ebenfalls in dem Moment fühlte: Fassungslosigkeit. Fassungslosigkeit darüber, wie unglaublich echt und emotional die Band ihre sonst eher rockigen Lieder rüber brachte. Der Raum war von kompletter Stille überflutet, während die Band spielte und lediglich zwischen den Liedern brach das Publikum in lautes klatschen und jubeln aus. Die Unplugged Session von Nothing But Thieves hat definitiv all meine Erwartungen übertroffen und ich ging völlig überwältigt von dem was ich gerade gesehen hatte, aus dem Fotostudio raus und die drei Stockwerke wieder runter. Doch das war noch nicht alles für den Tag. 

Nach dem Unplugged Konzert gingen Sophie und ich noch etwas essen, bevor wir uns weiter auf den Weg machten zum zweiten Konzert des Tages. Als wir am Werk2 ankamen, hatte sich dort bereits eine schlange gebildet und, obwohl es eigentlich so geplant war, schien es, als hätte der Einlass noch nicht begonnen. Also vertrieben wir uns die Zeit in einem Fotoautomaten, der neben der Schlange stand. Wir warteten, bis die Fotos gedruckt waren und stellten uns dann zu den anderen Leuten. Der Einlass hatte bereits begonnen und es dauerte nicht lange, bis wir drinnen waren. Wir stellten uns an die hintere Ecke des Sound Tech Bereiches und hingen unsere Jacken über die Barrikaden. Der Club füllte sich langsam und kurz nachdem wir uns etwas zu trinken geholt hatten, kam die erste der beiden Vorbands auf die Bühne: Airways. Während ich mich viel mit Sophie unterhielt wagte ich ab und zu mal einen Blick ins Publikum. Bereits zu diesem Zeitpunkt war ein großer Teil der Menschen vor uns schon am tanzen und mitsingen. Und ich konnte auch nachvollziehen wieso; Airways machten einen mega Job dort auf der Bühne und hatten offensichtlich extrem viel Spaß an dem, was sie machten. Auch die Musik war total gut und für jeden zu empfehlen, der auf indie/Alternative-Rock steht. 

Airways spielten ca. eine halbe Stunde. Die Lichter gingen wieder an und das Warten fing von vorne an. Ich muss ehrlich sagen, dass ich absolut kein Fan davon bin, wenn Bands mit zwei Support Acts auf Tour sind. Klar, ich entdecke liebend gerne neue Bands, aber so zieht sich alles immer um mindestens 1 1/2 stunden in die Länge und ich werde ungeduldiger, bis die Band, für die ich eigentlich da bin, dann endlich auf die Bühne kommt. Dementsprechend war auch meine Laune, als das Licht anging und der Umbau für die zweite Vorband anfing. Ich wusste, dass sich der Umbau jetzt nochmal 15 - 25 Minuten dauern würde und die Vorband ebenfalls nochmal eine halbe Stunde spielen würde. Ich musste außerdem den letzten Zug nach Chemnitz bekommen und so wie es zu dem Zeitpunkt aussah, würde das, durch die vielen Umbauten kritisch werden. Naja, als die Lichter dann wieder aus gingen, hörte ich mir trotzdem mit voller Aufmerksamkeit die Musik von der Band "The Xcerts" an. 

Auch diese Band hatte viel Spaß auf der Bühne und brachte das Publikum erneut zum tanzen und jubeln. Ganz offensichtlich waren viele Fans der Vorbands auf dem Konzert. Ich muss jedoch gestehen, dass mich die zweite Band nicht besonders umgehauen hat. Die Musik war nicht schlecht, aber auch nicht absolut mein Fall. Trotzdem freute es mich zu sehen, wie viel Stimmung auch bei dieser Band aufkam. Auf vielen Konzerten stehen die Menschen ja nur ruhig im Raum rum und bewegen sich nicht, bis der eigentliche Act auf die Bühne tritt; das finde ich immer ein wenig traurig und ich fand es schön zu sehen, dass so viele Menschen den Bands eine Chance gegeben haben.

Nachdem auch die zweite Vorband ihr Set beendet hatte, begann ein erneuter Umbau auf der Bühne, der ca. eine halbe Stunde gedauert hat. Um ungefähr 21:50 Uhr gingen die Lichter erneut aus und es war endlich Zeit für Nothing But Thieves. Mir blieben noch 1 1/2 stunden, bis ich mich auf den Weg machen musste zum Hauptbahnhof und ich hoffte, dass sich das mit dem Set von Nothing But Thieves decken würde und ich nichts verpassen muss. 

Die Show ging los und auf einmal wurde das Jubeln im Raum immer lauter. Die Band fing an mit dem Song "I'm Not Made By Design"von ihrem neuen Album. Jetzt war auch ich wieder in besserer Laune und begann mit zu tanzen. Da wir relativ weit hinten standen, waren wir nicht mitten im Geschehen und hatten ein wenig Ruhe und Platz für uns. Auch wenn ich normalerweise immer die Person bin, die sich mitten im Moshpit oder ganz vorne an der Barrikade befindet, war es für mich an dem Tag auch mal ganz schön, das ganze Spektakel von hinten zu betrachten. Die Menschen tanzten und sprangen vor der Bühne hin und her, warfen ihre Arme in die Luft und sangen gemeinsam mit der Band die Lieder von vorne bis hinten mit. Egal ob alte oder neue Lieder, das Publikum hatte offensichtlich eine unglaubliche Zeit. Auch da wo wir standen, sangen und tanzten die Leute mit. Obwohl bei uns nicht dieselbe Stimmung aufkam, wie direkt im Publikum, war es doch schön zu sehen, dass selbst in den letzten Reihen die Leute nicht nur still standen. 

Nachdem die erste Hälfte der Show hauptsächlich aus neuen Liedern, die zum tanzen und singen anregten, bestand, wurde es zur zweiten Hälfte etwas ruhiger und mit Liedern wie "If I Get High" und "Graveyard Listening" wechselte die Stimmung im Raum von Party zu Melancholie gemischt mit Bewunderung. Ich finde es immer wieder schön, wenn Bands, die hauptsächlich Rockmusik machen, auch ein wenig Ruhe in ihre Shows mit rein bringen und sich von einer anderen Seite zeigen, die viele oftmals nicht wahrnehmen. Auch während dieses Konzertes war ich wieder absolut begeistert davon, wie sehr sich der Blick auf die Band von der einen auf die andere Minute ändern kann; Während ich kurz vorher noch eine Band mit voller Kraft und Energie auf der Bühne gesehen habe, standen dort in der anderen Minute fünf verletzliche Menschen oben, die all ihre Gefühle in der Musik ausdrücken. Mit "Sorry" fand die Band den perfekten ruhigen, aber auch starken Abschluss des Konzertes. 

Mir blieb nun nicht mehr viel Zeit, um dort zu bleiben un dich hoffte, dass ich wenigstens noch ein Lied der Zugabe mitbekommen würde. Und so sollte es auch sein. Nach ungefähr zwei Minuten kamen die Jungs wieder auf die Bühne und gaben für zwei letzte Songs nochmal alles. Darunter auch einer meiner Lieblingssongs: Amsterdam. Leider konnte ich nicht für das gesamte Lied mehr bleiben, aber ich war froh wenigstens noch die Hälfte mitzubekommen und somit auch fast die ganze Show - da Amsterdam das letzte Lied eines perfekten Abends war. 

Nothing But Thieves haben definitiv eine mega Show abgeliefert - sowohl Unplugged am Nachmittag als auch am Abend, bei dem eigentlichen Konzert. Ich bin super froh darüber, dass ich die Chance wahrgenommen habe und sie endlich - nachdem ich sie auf dem Hurricane Festival letztes Jahr verpasst habe - sehen konnte. Die Band hatte offensichtlich sehr viel Spaß auf der Bühne und das ist auch im gesamten Publikum angekommen, egal ob hinten oder vorne. Und so nahm ein aufregender Abend dann sein Ende, als ich hastig zu meinem Zug rannte, während ich Nothing But Thieves weiterhin laut durch meine Kopfhörer hörte und alles Revue-passieren lies.  
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