my concert journey

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Der zweite Tag startete für mich relativ früh. Komplett ausgeschlafen machte ich mich gegen 9:30 Uhr auf den Weg zum Supermarkt auf dem sogenannten Playground, um noch einige Dinge einzukaufen, die ich einfach nicht den weiten Weg von Chemnitz nach Scheeßel transportieren wollte. Auf dem Rückweg holte ich mir einen Kaffee und als ich wieder zurück im Camp ankam, waren meine Freunde auch alle schon wach und die nächsten Paar Stunden verbrachten wir alle in unseren Campingstühlen, bevor es gegen Nachmittag wieder auf das Gelände ging. 

Freitag der 22. Juni 2018 - Tag 2 vom Hurricane Festival

Mein zweiter Tag auf dem Hurricane Festival starte etwas früher als der vorherige; nämlich schon um 16 Uhr, mit einem Act, den ich letztes Jahr leider verpasst habe: SXTN. Das Berliner Hip-Hop-Duo hab ich bereits 2017 auf dem Kosmonaut Festival gesehen und hatte mich auch letztes Jahr auf dem Hurricane Festival gefreut, die beiden Berliner Frauen zu sehen, aber leider standen wir damals zu lange am Einlass an. Das sollte mir dieses Jahr nicht passieren. Gemeinsam mit zwei Freunden machte ich mich dieses Mal rechtzeitig auf den Weg und als wir ankamen, lief das Konzert erst wenige Minuten. Wie auch schon letztes Jahr auf dem Kosmonaut war von Minute eins eine absolute Hammer Stimmung auf der Bühne und im Publikum zu sehen, die sofort ansteckte und sogar da ankamen wo wir standen, was relativ weit hinten war. Auch bei uns in der Umgebung sprangen die Leute rum, liefen gemeinsam im Kreis bevor dieser überging in einen Mini-Moshpit. Mit bei mir war eine Freundin, die kein besonders großer SXTN Fan war, doch ich überredete sie, mitzukommen, was sich auch deutlich gelohnt hatte, denn nach dem Konzert kam sie total begeistert von der Show zu mir. SXTN lieben es auf der Bühne zu stehen, zu feiern und nebenbei noch eine Message zu verbreiten. Egal ob Fan oder nicht, bei ihren Konzerten wird jeder zum tanzen gebracht und von der Power der beiden Frauen auf der Bühne angesteckt werden! 

Auch heute stand mir wieder ein Genre-Wechsel nach dem nächsten bevor und das sollte bereits nach dem auspowernden Konzert von SXTN passieren - denn nach deutschem Hip-Hop auf der Blue Stage ging es nun weiter zu Old-School-Disko Sound auf der White Stage; nämlich zu Parcels. Parcels sind eine Band aus Australien, die sich bereits in der Schule als Band zusammenfand. Ich hatte lange nicht mehr in die Musik der fünf Jungs reingehört, doch freute mich trotzdem, als ich ihren Namen auf dem diesjährigen Lineup entdeckte. Gemeinsam mit der Freundin, mit der ich zuvor schon bei SXTN stand machte ich mich auf den Weg zum großen weißen Zelt, etwas weiter hinten auf dem Gelände, denn dort sollte das Konzert um 17 Uhr anfangen. Natürlich kamen wir erst ein wenig später von der Blue Stage wieder, sodass das Konzert bereits in vollem Gange war, als wir ankamen, doch das machte uns beiden nichts aus. Parcels sind keine Band, von der ich jedes Lied von vorne bis hinten komplett mitsingen kann, doch das machte nichts aus. Als wir ankamen standen die fünf Mitglieder der Band auf der Bühne, hinter ihnen hing ein großer glitzernder Vorhang die Wand runter und von oben hinab schienen die Lichter auf sie herauf. Das Licht reflektierte durch das gesamte Zelt und brachte bereits beim Betreten eine gewisse Disko Stimmung auf. Wir stellten uns weiter nach hinten, doch immer noch weit genug nach vorne, um genug von der Bühne zu sehen. Von Anfang an motivierten mich die ruhigen Old-School-Disko Klänge dazu meine Füße zu bewegen und als wir dann unseren endgültigen Platz im Publikum eingenommen hatten, ging der Drang der Bewegung weiter über in den Rest meines Körpers und es machte überhaupt nichts aus, dass ich einen Großteil der Lieder nicht so gut kannte. 

Und so sollte es auch weiter gehen, denn als nächstes standen auf unserem Zeitplan The Kooks - eine Band aus Brighton, im Süden Englands. Die Indie Band gibt es nun schon seit mehr als 10 Jahren und sie sind mit Hits wie "Naive" und "Seaside" eine der bekanntesten Indiepop Bands, die Großbritannien hervorgebracht hat. The Kooks sind jeher eine Band, die ich schon immer einmal live sehen wollte, es jedoch nie geschafft habe; doch das sollte sich nun ändern. Ab 19:30 Uhr machten die Briten die Green Stage unsicher. Das Bühnenset der Band war nicht besonders aufwändig. Hinter der Band hing ein Vorhang auf dem oben links groß "The Kooks" drauf stand. Die vier Jungs auf der Bühne jedoch lieferten von Beginn an eine unglaubliche Show ab. Zwar war der Himmel über uns grau und es wehte ein starker, eisiger Wind umher, doch die positiven Indiepop-Töne ließen ein warmes Sommerfeeling in mir aufkommen. Insgesamt spielte die Band rund 17 Lieder, die die Menge um mich herum zum tanzen und mitsingen brachte. Das Wetter war vergessen und alles was zählte war die Band auf der Bühne und die gute Zeit, die wir alle hatten. Natürlich ließen die Briten es sich nicht nehmen, einige ihrer bekanntesten Lieder in ihr Set mit einzubauen und so brachte "Seaside" kurz vor Ende ein bisschen Ruhe in das Publikum. Ich schloss meine Augen und lies mich von der Musik mitreißen, während ich die Lieder laut in den Himmel schrie. Danach nahm die Show wieder mehr Bewegung an und als The Kooks das letzte Lied, Naive, beendeten, war ich überglücklich, dort gewesen zu sein. Trotz nicht so guten Wetters hatte ich das Gefühl, wir wären mitten im Sommer und die gute Laune war mir definitiv auch anzusehen.

Nun stand wieder ein Genre-Wechsel auf dem Programm, denn nach der britischen Indie-Band kam nun der deutsche Rapper Dendemann. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich hauptsächlich dort war, weil meine gesamte Freundesgruppe sich auf den Weg zur Blue Stage gemacht hatte, wo die Show um 20:45 Uhr beginnen sollte. Während auf der anderen Straßenseite, vor dem Pennymarkt, das Deutschlandspiel übertragen wurde, stellten wir uns mit einem Bier in der Hand dort hin, wo wir bereits bei SXTN einige Stunden vorher standen und guckten uns die Show an. Während der Show, die mich wirklich sehr positiv überrascht hat, ist mir jedoch aufgefallen, dass viele Leute eher abwesend schienen - was aber eventuell daran lag, dass wir relativ weit hinten standen. Meine Freunde jedoch ließen sich den Spaß nicht verderben und tanzten die ganze Zeit mit. Auch ich fing irgendwann an mich zu bewegen und dadurch ab und zu ein paar Tropfen Bier zu verschütten. Kurz danach ging es für einen Song zu den Beginnern, für das Hamburg Feeling, bevor wir uns dann jedoch auf den Weg zum letzten Konzert des Abends machten: Portugal. The Man.

Es war schon relativ spät, als das Konzert begann und ich hatte mich für den Tag schon ziemlich ausgepowert, weshalb wir uns weiter nach hinten an die Bar stellten und die Show von dort aus beobachteten. Die Gruppe hat viel mit Leinwänden, Bildern und Animationen gearbeitet. Das Publikum tanzte wie wild durch die Gegend und irgendwann konnte es auch mich nicht mehr halten und ich lief wie aus dem Nichts in die Menge rein und lies für ein letztes Mal an dem Abend meine gesamte restliche Energie raus. Ab dem Moment habe ich nicht mehr sonderlich viel von der Show mitbekommen, sondern konzentrierte mich einfach auf die Musik. Ich schloss meine Augen und tanzte, bis der letzte Ton aus den Boxen kam, bevor es wieder ins Camp ging. Zurück angekommen, fiel ich auch am zweiten Tag einfach nur tot ins Bett, bzw. ins Zelt.


Freitag der 23. Juni 2018 - der dritte Tag vom Hurricane Festival 2018

Als ich am Sonntag aufwachte wusste ich, dass der Sonntag für mich der beste und vor allem aufregendste Tag vom Hurricane Festival 2018 werden würde - denn am Sonntag würden nicht nur die Arctic Monkeys, eine meiner absoluten Lieblingsbands auf der Bühne stehen, sondern auch ich. Also packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Als ich zurück kam waren die meisten Leute in meinem Camp bereits wach. Wir frühstückten gemeinsam und gegen 13 Uhr machten sich die ersten auf den Weg zum Festivalgelände.

Auch ich hatte noch einige Zeit, bis es für mich hieß: Stagetime - also ließ ich es mir nicht nehmen um 13:45 Uhr Richtung White Stage zu gehen und mir Drangsal anzugucken. Als ich ankam hatte die Show bereits angefangen und ich lief in das dunkle Zelt hinein - hinein in den Charme der 80er Jahre. Harmonische Melodien, Synthies und der Ton von einem Schlagzeug empfingen mich und verschönerten mir den doch eher trägen und grauen Morgen vom letzten Tag meines Lieblingsfestivals. Erst vor kurzem ist das neue Drangsal Album erschienen, welches mich total in seinen Bann gezogen hat und das sollte nicht das Einzige bleiben. Bereits als ich Richtung Bühne lief zogen sich die soundmäßig etwas erneuerten New Wave Töne durch meinen Körper und ich wollte unbedingt tanzen, also ließ ich es mir nicht nehmen mich hinzustellen und alleine durch das Zelt zu tanzen. Das Bühnenbild war relativ einfach aufgebaut und hinten über der Band leuchtete ein großes Z auf als Symbol für das neue Album "Zores". Die Show schien von vorne bis hinten durchdacht gewesen zu sein und es war zu schön um wahr zu sein. Ich fühlte mich in eine andere Zeit zurückversetzt, in der es nicht darum ging, bei Konzerten die besten Videos und Fotos zu machen, sondern den Moment zu leben und sich von nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Um mich herum sangen alle lauthals mit und tanzten, als wenn es kein Morgen gäbe. Obwohl ich mir die Show alleine angeguckt habe, hatte ich eine unglaublich schöne Zeit in dem dunklen Zelt am Ende vom Festivalgelände.

Noch vor Ende der Show jedoch entschied ich mich wieder zurück in mein Camp zu gehen. Dort angekommen waren auch meine Freunde alle schon wieder in ihren Campingstühlen. Nun hieß es für mich: warten. Warten auf den Anruf, dass ich mich langsam hinter die Bühne begeben sollte. Warum? Wer meinen Blog schon einige Zeit verfolgt weiß, dass ich den letzten sommer mit Kraftklub verbracht habe - jedoch nicht wie bei The NBHD in Form von hinterherreisen - ich war Teil der Show und bin gemeinsam mit der Chemnitzer Band aufgetreten. Das sollte auch dieses Jahr so sein und für mich begann der Sommer mit eben dieser Show, auf meinem Lieblingsfestival, auf der Mainstage. Gegen Nachmittag kam der Anruf und ich machte mich auf den Weg, brachte meine Klamotten für die Show weg und ging wieder auf das Gelände, um mich dort mit meinen Freunden zu treffen, die am Freitag bereits auf dem Southside aufgetreten waren. Wir holten uns was zu essen und machten uns auf den Weg zur Red Stage, um uns Chefket anzugucken. Wir schauten uns die Show an, wobei wir den größten Teil damit verbrachten Fotos zu machen und über die Southside Show zu reden, bevor wir uns wieder auf den Weg hinter die Bühne machten um uns für den Auftritt auf meinem Lieblingsfestival vorzubereiten.

Quelle: Hurricane Festival Facebook Seite 
Um 20:15 Uhr hieß es dann Stage Time und als wir auf die Bühne kamen konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ich blickte in eine riesengroße Menschenmenge und stand selber beim Hurricane Festival, welches ich seit Jahren regelmäßig besuche, auf der Bühne und durfte mit Kraftklub auftreten. Insgesamt hatten wir 75 Minuten Stage time. 75 Minuten voll Power sowohl auf als auch vor der Bühne. Es war deutlich zu merken, dass der Großteil der Menschen wegen Kraftklub gekommen war. Überall wurden irgendwelche Plakate hochgehalten und schon den gesamten Tag über waren mir Menschen mit Merchandise entgegen gelaufen. Auch die Stimmung spiegelte das wieder. Lautstark hallten uns die Songtexte von der anderen Seite der Bühne aus entgegen, immer wieder öffneten sich riesengroße Kreise und Moshpits, in denen die Menschen ihre gesamte Energie raus ließen. Es war ein unglaubliches Gefühl und 75 Minuten, die ich niemals vergessen werde. Total verschwitzt und außer Puste endete das Konzert dann sowohl für mich als auch für die Band und das Publikum. Wir gingen von der Bühne runter, das Publikum jubelte noch einige Zeit und ich machte mich bereit für das aller letzte Konzert des gesamten Festivals und einen der Hauptgründe, warum ich mich so sehr auf dieses Jahr gefreut hatte: die Arctic Monkeys.

Die Band aus Sheffield in England hat bereits vor mehreren Jahren mein Herz erobert. Leider sind sie auf ihrer letzten Tour, vor einer unendlich langen Pause, nicht nach Hamburg gekommen, weshalb ich ungeduldig bis dieses Jahr warten musste, um sie endlich zu sehen und mir einen Traum zu erfüllen. Ich hab die Briten bereits im Mai in Berlin gesehen (leider habe ich es zeitlich nicht geschafft darüber zu berichten) und war komplett sprachlos von der Show, die sie mir damals geboten hatten. Die Columbiahalle war damals gefüllt mit Menschen aus ganz Europa die für die erste Show nach der Pause angereist waren. Der Raum war stickig und warm, überall wurden Bierduschen verteilt und Moshpits eröffnet. Natürlich lies ich es mir auch dieses Mal nicht verbieten, mir die Show anzugucken und so ging ich zum ersten Ton der Musik raus ins Publikum, nahm meine Freunde mit und schaute mir die Show an. Wie auch in Berlin, fing die Show mit einem meiner Lieblingssongs des im Mai erschienenen Abums "Tranquility Base Hotel + Casino" an, nämlich mit Four Out of Five. Ich wusste, jetzt konnte es nur noch besser werden. Das neue Album der Band ist eher ruhig und so überraschte es mich nicht, dass die Setlist, sowohl in Berlin als auch auf dem Hurricane aus vorwiegend alten Liedern bestand, die einen eher rockigen Touch in die Show der Band brachten. Und so gab es für mich während des Konzertes kein Halten mehr. Egal ob alte oder neue Lieder. Ich schrie die Texte in die Luft und hüpfte dazu wie ein kleines Kind auf und ab. Besonders Lieder wie 505, Cornerstone, Pretty Visitors und I Bet You Look Good On The Dancefloor holten das Fangirl in mir heraus, welches sich als junger Teenager in die Band verliebt hatte. Von Anfang bis Ende genoss ich die Show und lies all meine Energie und Liebe raus. Auch meine Freunde, die eigentlich nicht so große Fans der Band sind, konnten sich das Tanzen nicht verkneifen und so eröffneten wir unseren eigenen Tanzkreis, bevor sie wieder abreisen mussten und ich alleine dort blieb. Bis zur aller letzten Sekunde tanzte ich durch die Gegend und machte mir das letzte Konzert des Abends zum schönsten Konzert des Festivals.

Wie die Tage zuvor machte ich mich danach komplett fertig und müde auf den Weg zurück ins Camp, wo ich noch eine halbe stunde mit meinen Freunden zusammen saß bevor ich mich in meinen Schlafsack legte und ein letztes Mal für dieses Jahr dort einschlief. Es waren mal wieder drei unvergessliche Tage und schon vor meiner Abreise am nächsten Tag kam in mir die Vorfreude auf das Hurricane 2019 auf, welches hoffentlich wieder so gut wird, wie die letzten Jahre. 


...Am nächsten Morgen ging es schon relativ früh für mich los auf eine lange Fahrt nach Frankfurt. Frankfurt würde das letzte Konzert der Tour sein und auch das aufregendste. Wer meinem instagram Account folgt weiß wahrscheinlich, dass sich bereits mein diesjähriger Sommer viel um Kraftklub gedreht hat, da ich mit ihnen auf Tour war. 

Kurz nach meinem Geburtstag im April hatten die Jungs einen Aufruf gestartet, in dem sie nach Leuten gesucht haben, die für den Festivalsommer Teil ihrer Gäng werden wollen. In dem Aufruf hieß es, man soll körperlich fit sein und ein wenig Rhythmusgefühl haben. Da ich mehrere Jahre getanzt habe, dachte ich, ich versuche es einfach mal und bewarb mich. Nachdem ich ein Tanzvideo abgeschickt hatte wurde ich zusammen mit fast 80 anderen Menschen nach Berlin eingeladen, wo es dann hieß: Wir gehen einen Sommer lang mit Kraftklub auf Tour - als Tänzer. Vor uns lagen drei Wochen hartes Training in Berlin, von denen aus es direkt los ging auf die Festivals Deutschlands. Unter anderem standen wir auf den Bühnen von Rock am Ring und dem Deichbrand Festival (weshalb es zum Rock am Ring dieses Jahr leider keinen Bericht von mir gab). Es war eine unglaublich aufregende Zeit, in der ich super tolle Leute kennengelernt habe, die ich nun in Frankfurt wiedersehen würde. 

Nachdem ich nämlich in Münster auf dem Konzert war erreichte mich am nächsten Morgen eine E-Mail von der Crew von Kraftklub, die an alle Tänzer gerichtet war. Für das letzte Konzert der Tour - auch bekannt als Streichetag - kam bei der Crew die Idee auf noch ein Mal so viele von uns Tänzern wie möglich anzuheuern und die Band auf der Bühne zu überraschen. Da ich sowieso geplant hatte zu dem Konzert in Frankfurt zu gehen, sagte ich sofort zu. Nun hieß es absolute Geheimhaltung - also Ausreden dafür ausdenken, wieso ich mein Ticket für die Show verkaufte, aber trotzdem noch auf das Konzert gehen würde. Bei jedem anstehenden Konzert konnte ich mir bei dem Song, bei dem wir auf die Bühne kommen würden, das Lachen nicht verkneifen, weil ich mich so auf die Gesichter der fünf Jungs freute. 

Ich machte mich also morgens auf den Weg und kam gegen Mittag bei Rike - eine Freundin, die ich während des Sommers kennengelernt hatte - an. Die anderen von uns waren ebenfalls bereits da. Wir machten uns was zu essen, tranken ein Glas Wein und machten uns auf den Weg zur Festhalle Frankfurt, in die über 13.000 Menschen passen. Als wir an der Halle ankamen mussten wir erstmal unsere Kontaktperson von Landstreicher Booking erreichen, da wir einige Minuten später am Treffpunkt ankamen als die Mehrheit der Tänzer. Die Band wurde in der Zwischenzeit abgelenkt, damit wir in Ruhe in die Halle gehen konnten. Als wir unsere Ansprechpartnerin gefunden hatten, gingen wir gemeinsam rein und nach oben in unseren Aufenthaltsraum. Der Backstage war unten, sodass keine Gefahr bestand, dass wir der Band über den Weg laufen würden. Der Einlass hatte gerade begonnen - es waren also noch gut zwei Stunden, bis Von Wegen Lisbeth das Konzert und Publikum einheizen würden. In diesen zwei Stunden hieß es für uns proben. Die Bühne war anders als auf den Festivals. Wesentlich kleiner und anders bestückt. Immer wieder übten wir, wie wir uns zu stellen hatten - bis das Konzert anfing. (Ich habe während des Konzertes nur sehr wenig Bilder gemacht, weshalb ich hauptsächlich Fotos vom Festivalsommer hochladen werde)


Samstag, 04.11.2017: Konzert 7 von 7 in der Festhalle Frankfurt
Mit der Lieblingsband auf einer Bühne

Als wir hörten, wie die erste Töne von Von Wegen Lisbeth durch die Halle schallten, und auch bei uns im Aufenthaltsraum ankamen, hieß es schnell sein. Wir ließen all unsere Sachen oben, gingen nochmal auf Klo und liefen dann - möglichst unauffällig, da Kraftklub ebenfalls in der Halle rumliefen - runter in die Festhalle. Absolut glücklich und aufgeregt hüpften und tanzten wir wie wild in der Gegend rum und schrien die Texte von Von Wegen Lisbeth durch die Gegend. Da wir ziemlich seitlich raus kamen, hatten wir genug Platz zum tanzen, ohne, dass wir jemanden belästigten. Mitten während der Show ging auf einmal das große Kreischen im Publikum los. Alle Frauen im Saal rasteten aus und als ich auf die Bühne guckte erklärte sich mir sofort wieso: Auf der Bühne war ein Stripper. Streich Nummer 1. Von Wegen Lisbeth wussten natürlich nichts davon und ein Lachen konnten sie sich trotz aller Professionalität auch nicht verkneifen. Ich persönlich bin überhaupt kein Fan von Strippern, fand die Aktion von Kraftklub jedoch trotzdem sehr amüsant. Die Band wurde von allen Seiten angetanzt, wie es sich für einen Stripper gehört. Und während die Frauen im Publikum immer lauter zu jubeln schienen, legten Von Wegen Lisbeth wie immer eine super Show hin und brachten den vollen Saal zum tanzen. 

Nach der Vorband hieß es dann für uns schnell wieder nach oben zu laufen und uns umzuziehen, da wir bereits beim zweiten Song auf der Bühne stehen mussten. Wir begaben uns also auf den Weg zurück nach oben, der uns an den Toiletten und den Türen nach draußen in den Raucherbereich vorbeiführten. Natürlich ließ es sich dabei nicht vermeiden, die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, als wir in das Treppenhaus rein gingen. Immer wieder ging die Tür ins Treppenhaus auf und Leute versuchten uns nach zu laufen oder fragten uns, wo wir denn hingehen würden. Wir schüttelten sie wieder ab und gingen nach oben, wo wir uns in unsere Outfits schmissen. Wir würden zu dem Song "Fenster" auf die Bühne laufen und ihn wie bei den Festivals performen, das hieß: Von allen Seiten der Bühne würden wir auf die Bühne laufen und uns langsam zu unseren Positionen begeben, bevor wir alle einfach umkippen und wie Tote auf der Bühne liegen würden. Wir zogen uns um und tranken alle noch einen ordentlichen Schluck wasser. Als Kraftklub dann das erste Lied in der Halle anstimmten, mussten wir leise nach unten laufen. 

Wir waren ca. 40 Leute, die alle in den gleichen Klamotten wie die der Band das Treppenhaus möglichst leise runterliefen und uns dann so schnell, leise und unauffällig wie möglich hinter die Bühne begeben mussten. Es ging in die Halle rein und am Publikum vorbei. Unauffällig sind wir dabei natürlich nicht geblieben. Hinter der Bühne angekommen, liefen wir an der Crew vorbei die bereits alle ein breites Grinsen im Gesicht hatten, als wir ankamen. Die Vorfreude stieg und ich war gespannt, wie die Band mit unserem plötzlichen Erscheinen auf der Bühne umgehen würden. Während der letzten Sekunden von "Hallo Nacht", dem ersten Song auf der Setlist, positionierten wir uns bereits unauffällig hinten an den Seiten der Bühne, um dann ab Beginn von Fenster auf die Bühne zu laufen. Meine Freude durfte ich mir in dem Moment nicht anmerken lassen. Mit einem neutralen, ja fast schon leeren Gesichtsausdruck liefen 40 Menschen auf die Bühne - die Band war sichtlich verwirrt und ein Schmunzeln konnten sie nicht verbergen. Trotzdem machten sie wie gewohnt, professionell weiter und ließen sich nicht aus dem Konzept bringen.

Als wir alle an unseren Positionen angekommen waren starrten wir die Jungs noch ein paar Sekunden lang an - wobei Felix kurz ins Mikrophon lachte - bevor wir uns alle auf den Boden der Bühne fallen ließen. Ab der Bridge mussten wir dann wieder voll da sein und uns langsam aufrichten und in die gewohnte Formation bringen, um im Takt zu headbangen. Felix hatte sich bereits hinter uns positioniert, als wir uns im Kreis drehten und in mehreren Reihen, wie ein Block, in verschiedene Höhen fielen und mit dem Headbangen anfingen und uns während des letzten Taktes alle in Felix seine Richtung drehten und ihn anguckten. Wie nach jedem Song jubelte das Publikum und nun konnten auch wir endlich jubeln und klatschen, als Felix uns fragte, was wir denn auf der Bühne machen würden, bevor er den Streichetag erklärte und noch kurz etwas zum Festivalsommer sagte. Gemeinsam gingen wir alle von der Bühne runter ins Publikum, um uns den Rest von dem Konzert anzugucken. 


Die restliche Show verbrachte ich in einem absoluten Adrenalinrausch. Zusammen mit einigen meiner besten Freunde, die ich während der Festivals kennengelernt hatte, habe ich mir meine rote Jacke um das weiße Poloshirt gebunden und begann zu tanzen, als wenn es kein Morgen mehr geben würde. Wir tanzten wie wild an der Seite vom Publikum rum, riefen die Texte durch die Gegend und interessierten uns für nichts anderes als den Moment. Von der Seite bekamen wir ab und zu ein paar komische Blicke - was eventuell auch daran lag, dass wir ca. 20 Menschen im gleichen Outfit waren - aber die nahmen wir gar nicht mehr wahr. Meine Müdigkeit und Schmerzen, die ich durch die letzten sechs Konzerte eigentlich überall hätte spüren müssen, waren mir egal. Es war das letzte Konzert der Tour und es sollte auch das Beste werden. Wir starteten einen Moshpit nach dem anderen, tanzten einzelne Schritte der Choreos vom Sommer nach und ließen uns komplett gehen. 

Auf der Bühne wurde der Band derweil der ein oder andere weitere Streich gespielt; zum Beispiel wurde das Glücksrad bearbeitet, sodass es nicht damit aufhörte sich zu drehen. Während Felix seine übliche Ansprache hielt und sich mit dem Gast aus dem Publikum unterhielt, der an dem Abend das Rad drehen durfte, hörte dieses nicht damit auf sich zu drehen. Felix hatte das zuerst gar nicht gemerkt und ging einfach nur davon aus, dass der Fan auf der Bühne besonders stark gedreht hatte - bis es immer weiter und weiter ging. Daraufhin durfte sich die Person, die das Rad gedreht hatte, einen Song wünschen und ich bekam endlich wieder meinen Lieblingssong zu hören - "Irgendeine Nummer". Ich ließ einen lauten und etwas schrillen Schrei aus mir heraus bevor ich damit anfing wie wild in der Gegend rum zu springen. Nun war das Konzert perfekt. Ich war dort mit den besten Leuten, mit denen ich es mir hätte vorstellen können, war noch ein Mal auf der Bühne mit Kraftklub und durfte auch noch meinen Lieblingssong live hören und der Abend sollte sogar noch besser werden. 

Während der nächsten Songs ging es bei uns genau so weiter, wie auch schon zuvor: mit absoluter Energie und vollem Ausrasten. Bei den ruhigeren Liedern lagen wir uns alle in den Armen und über mein Gesicht liefen einige Tränen. Ich konnte nicht fassen, dass die Tour so schnell vorbei war. Auch wenn ich das bereits von The NBHD gewohnt sein sollte, ist es immer wieder überraschend, wie schnell die schönen Dinge im Leben vorbei sind. Ich genoss jeden Moment meiner letzten Show und wollte noch gar nicht an das Ende denken. Am liebsten hätte ich den Abend im Loop laufen lassen. 

Als es dann Zeit für dass allabendliche Cover zusammen mit Von Wegen Lisbeth war, wartete die nächste Überraschung auf uns. Anstatt wie immer einfach "Schrei nach Liebe" von den Ärzten zu Covern, fingen die Jungs der Vorband damit an, in äußerst schlechtem Spanisch "Despacito" zu performen. Das sorgte für ein großes Gelächter sowohl auf der Bühne als auch davor, im Publikum. Auf einmal mischten sie noch ein Snippet aus "Verpisst Euch" von K.I.Z. mit rein und das sorgte dann für den ultimativen Ausraster bei uns. Zusammen sprangen wir auf und ab und schrien die Lyrics durch die Gegend. Das eigentliche Cover von den Ärzten kam aber trotzdem nicht zu kurz und wurde nach der kleinen Überraschung auch noch performt. Danach kamen noch die Highlights 500k und der Publikumschor von "Chemie Chemie ya" bevor es auf die B-Stage ging. 

Einige meiner Freunde entschieden sich dafür, kurz aus der Halle raus zu gehen um eine Zigarette zu rauchen. Also machten wir uns in einer etwas kleineren Gruppe auf den Weg nach hinten zur B-Stage. Da wir ganz außen standen war das für uns kein Problem und wir besorgten uns einen Platz mit perfekter Sicht auf die zweite Bühne und noch genug Platz zum tanzen. Wie immer war die hintere Bühne der Ort für "Schüsse in die Luft" und "Randale". Während wir also wieder komplett durchdrehten und gemeinsam einige Schritte der Festival Choreos tanzten, fuhr die Bühne hoch, die den letzten Streich der Show offenbarte. Auf allen vier Seiten der Bühne waren mit Tape Sprüche aufgeklebt, die gegen jeden aus der Band gingen - z.B. "Till stinkt" oder "Max kann nur bis 4 zählen". Natürlich sorgten diese Sprüche wieder für ordentlich Gelächter bei allen. In diesem Moment war ich wieder super dankbar dafür, dass ich dort sein durfte und das alles miterleben durfte. Ich war glücklicher als je zuvor auf der Tour und erlebte in Frankfurt mit Abstand die beste Show des Jahres. Die letzten Lieder, ob auf der B-Stage, oder vorne auf der Bühne, schmerzten zwar, weil ich wusste, dass es die letzten für dieses Jahr sein würden, aber machten mich auch zum absolut glücklichsten Menschen. 

Am Ende des Konzertes war ich traurig, dass die Tour vorbei war und während mir wieder einige Tränen über mein Gesicht liefen und meine Freunde mich in den Arm nahmen, war ich trotzdem auch unglaublich dankbar für alles, was ich erleben durfte. Es war nicht nur die Kraftklub Tour, die mein Konzertjahr perfekt machte, sondern das Gesamtpaket - angefangen mit dem besten Festivalsommer meines Lebens, auf dem ich unglaublich tolle Menschen kennen lernen durfte. Gemeinsam liefen wir alle komplett durchnässt nach oben in den Aufenthaltsraum, wo es Sekt, Pizza und ein Plakat vom Konzert für uns gab. 

Kurz nachdem wir oben angekommen waren, uns umgezogen hatten und wieder runtergefahren waren, wurden wir dann von der Band auf die Tourabschlussparty unten im Backstage Bereich eingeladen. Ich wechselte noch kurz meine Schuhe und packte meine Bauchtasche, bevor wir runter gingen und gemeinsam mit Kraftklub, Von Wegen Lisbeth, der Crew und vielen anderen tollen Menschen den Abschluss der Tour bis in die Morgenstunden feierten. Als wir dann wieder die mittlerweile leere Festhalle betraten, um unsere Sachen zu holen und zurück zu Rike zu fahren, fing bei mir bereits die Freude auf die nächsten Kraftklub Konzerte im Frühjar an... 
...Nach einer angenehmen Nacht in Berlin machte ich mich gegen Morgen wieder auf den Weg in die nächste Stadt: Leipzig. Im Bus arbeitete ich ein bisschen für die Uni und schlief etwas bevor ich gegen 14 Uhr ankam. In Leipzig würde ich das Konzert mit einer guten Freundin aus Hamburg besuchen, die vor kurzem nach Leipzig gezogen ist. Ich machte mich also auf den Weg zu ihr und wir verbrachten den Nachmittag zusammen in ihrer WG, bevor wir uns Abends in ihr Auto setzten und in Richtung Arena Leipzig fuhren. 

Freitag, 03.11.2017: Konzert 6 von 7 in der Arena Leipzig in Berlin 
Kraftklub bringen die statt - wortwörtlich - zum beben. 

Als wir an der Arena ankamen hatte der Einlass bereits begonnen und wir stellten uns an eine der seitlichen schlangen, da dort weniger Menschen standen. Es dauerte nicht lange und wir kamen an der Kontrolle an, wo man mir sagte, ich solle meine einzelne Powerbank abgeben, da ich diese nicht mit rein nehmen dürfte. Ich verstaute meine Ladestation also kurz woanders und ging dann erneut rein. Da ich bereits kontrolliert wurde, musste ich mich nicht hinten anstellen. 

Wir gingen in die Halle rein und die große Treppe runter, in den Innenraum. Während es vor dem ersten Wellenbrecher bereits relativ gefüllt war, oder zumindest so aussah, da die meisten Leute auf dem Boden saßen, war es im hinteren Bereich etwas leerer. Hanna und ich entschieden uns dafür uns an die B-Stage zu stellen. Wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz an dem dort stehenden Wellenbrecher und, bis auf einige Einschränkungen durch die Techniker, hatten wir auch eine relativ gute Sicht auf die Bühne.

Mit der Zeit begann die Halle sich mehr und mehr zu füllen und langsam wurde mir bewusst, wohin die ganzen 12.000 Menschen passen, die ich mir vorher dort nicht vorstellen konnte. Das Konzert war ausverkauft und wie immer füllte sich zusammen mit der Halle auch mein Freudenthermometer - gerade weil es Hannas erstes Kraftklub Konzert war und mein 15. Doch wir freuten uns auch sehr auf Von Wegen Lisbeth, die bis dahin auf jedem Konzert eine gute Show abgeliefert haben und mich auch in Leipzig erneut begeisterten. Während neben und hinter uns viele still standen ließen Hanna und ich bereits bei der Vorband viel Energie raus. 

Nachdem wir uns warm getanzt hatten begann das Warten auf die Band, wegen der wir eigentlich dort waren: Kraftklub. Wir unterhielten uns ca. eine halbe Stunde lang und dann gingen die Lichter aus und hinter dem Vorhang erschienen - gemeinsam mit den ersten Tönen von "Hallo Nacht" - die Silhouetten der Band. Bereits von Beginn an wusste ich, dass das Konzert überaus anstrengend werden würde, da ich immer noch durch die Gegend humpelte. Aber davon ließ ich mir die Laune nicht verderben und gab von dem Moment an, als die Musik durch die Halle schallte, wieder alles, was nur ging. Die Setlist war genau so aufgebaut, wie bei den letzten Konzerten, doch das war mir egal. Bei jedem Lied durchfuhr mich erneut ein Energiekick und ich sprang wie wild rum, während ich meinen Nachbarn die Texte in die Ohren schrie. Der Mann neben mir schien davon nicht sonderlich begeistert zu sein. Bereits nach ein paar Liedern durfte ich mir anhören, ich solle doch mehr Platz machen und nicht so tanzen, da ich ihn dadurch wegdrücken würde. Mir war das im Endeffekt nicht so wichtig, da ich der Meinung bin, man sollte sich nicht in den Innenraum stellen - vor allem bei einem Konzert wie Kraftklub - wenn man nur blöd rum steht und sich nicht bewegt, sondern seine Frau wie ein kleines Kind beschützt. Ich sagte ihm kurz meine Meinung und fokussierte mich dann wieder voll und ganz auf meine Lieblingsband, die auf der Bühne stand. 

Als dann endlich das Glücksrad auf die Bühne gebracht wurde, hoffte ich, wie fast immer, auf "Irgendeine Nummer". Während die jungen Mädchen reihenweise aus dem Publikum gezogen wurden, drehte eine Frau aus der 4. Reihe an dem Rad. Es drehte und drehte sich und blieb dann bei der Kippenpause stehen - worauf sie eine Zigarette bekam und nochmal drehen durfte. Das Drehen begann von vorne und meine Nervosität stieg. Im Grunde wäre ich mit jedem Song zufrieden gewesen und so störte es mich nicht als, anstatt meines Lieblingsliedes, "Scheissindiedisko" gespielt wurde. Die auserwählte Person, die das Glücksrad gedreht hatte, sprang in die Menge zurück und die ganze Halle begann zu springen. "Scheissindiedisko" ist einer der beliebtesten Songs beim Publikum und das war auch dieses Mal wieder spürbar. Die Leute rasteten aus, als das Glücksrad stehen geblieben war und durch die Halle zog sich eine riesige Welle an Energie, die sich bis zur letzten Sekunde des Songs hielt. 

Vor ein paar Jahren, auf ihrer letzten Tour, hatten Kraftklub bereits in der Arena Leipzig ein Konzert gegeben - damals jedoch nicht ausverkauft. Doch obwohl die Halle damals nicht ausverkauft war, schafften Kraftklub es, dass das Publikum bebte - beziehungsweise, der Boden bebte. Durch das viele Springen und Ausrasten löste das Publikum der Chemnitzer Band vor zwei Jahren ein leichtes Erdbeben in der Umgebung der Arena Leipzig aus, sodass Anwohner die Polizei und Feuerwehr riefen. Natürlich war es für die Jungs klar, das, zusammen mit der ausverkauften Halle, dieses Jahr erneut zu schaffen. Bevor die Band also den allbekannten Song "Ich will nicht nach Berlin" anstimmte machte Felix eine Ansage, in der er alle 12.000 Menschen in der Halle dazu aufforderte, so doll zu springen wie sie nur konnten, um erneut ein Erdbeben auszulösen. Das Publikum - bestehend aus allen möglichen Altersklassen - nahm die Herausforderung natürlich an und sprang so exzessiv es nur konnte, als der Chorus anfing. Lediglich der Mann neben mir und seine Frau schienen noch still zu stehen. Doch das verhinderte nicht, dass Kraftklub es erneut schafften ein Erdbeben auszulösen und die Anwohner in der Umgebung nach Hilfe riefen. In der Halle selber merkte man davon natürlich nicht wirklich etwas, außer, die unglaubliche Stimmung, die sich auf einmal im Raum verbreitete. Alle gaben ihr B
estes, sangen mit und sprangen so hoch und so sehr, wie es noch ging. In diesem Moment durchfuhr mich pures Glück. Das Konzert war in diesem einen Moment komplett - alle waren eins mit dem Beat und mit den Leuten um sich herum und der Band auf der Bühne. 

Nachdem wir das Erdbeben ausgelöst hatten ging es weiter mit der üblichen Setlist und als das Medley uns wieder durch alle möglichen Launen gezogen hatte, ein alter Klassiker zusammen mit Von Wegen Lisbeth auf die Bühne gebracht wurde, Scheine durch die Halle flogen und das Publikum gemeinsam in aller Ruhe "Chemie Chemie ya" als Chor sang, kamen die Jungs zu uns. Es war Zeit für die B-Stage. 

Die Halle war dunkel, von überall kam Gejubel und die Spannung in mir stieg an. Plötzlich ging das Licht über uns an und der Fokus war auf der Bühne, nur ca. einen Meter von uns entfernt, gerichtet. Die 5 Jungs, mittlerweile schon komplett durchgeschwitzt und erledigt (aber trotzdem noch gut gelaunt), richteten sich ein bevor sie mit "Schüsse in die Luft" anfingen, während sich die Bühne langsam nach oben bewegte, so dass alle in der Halle einen Blick auf sie hatten. Je weiter die Bühne jedoch nach oben fuhr, desto weniger konnten wir sehen. Doch das störte mich nicht. Ich war froh dort zu sein und das zu machen, was mir am meisten Spaß macht: auf Konzerte gehen; Konzerte, die vor Stimmung nur so sprudeln. Der zweite und somit letzte Song auf der B-Stage war "Randale". Der Song nahm wie immer seinen Lauf und während sich zum Ende hin alle in die Hocke setzten machte Felix noch eine kurze Ansage. Er forderte das Publikum dazu auf, den Moment zu filmen, in dem alle hoch gehen - wenn alle ihre Sachen in die Luft werfen und allen Stress loslassen. Er wollte, dass wir das Ganze filmen und auf ihrer Website hochladen, da sie mit den Videos etwas geplant hätten. In dem Moment sah ich auf einem Kraftklub Konzert zum aller ersten Mal wirklich viele Handys in der Luft. Auch Hanna und ich hoben unsere Telefone in die Luft und filmten den Moment. Die Leute sprangen auf und warfen all ihre Dinge in die durch die Halle. Es wurde zu einer einzigen Party, bei der die Menschen sich für einen kurzen Moment von ihrem Druck befreiten und sich gehen ließen. Es war wunderbar.

Wie immer ging es danach um das Wett-Crowdsurfen zurück zur Bühne, bevor die Band die letzten beiden Lieder der vorletzten Show der Tour anstimmten. Noch zwei Male gaben alle Alles und tanzten als ob es kein Morgen gäbe. Und dann war auf einmal wieder alles vorbei. Zwei Stunden, die sich anfühlten wie 5 Minuten. Zwei Stunden voller Emotionen, Party, schwitzen, springen, singen und noch mehr springen nahmen ihr Ende und vor mir stand nur noch ein Konzert, welchem ich auch mit sehr wenig Schlaf entgegentreten würde. Doch diese letzte Show versprach schon jetzt eine ganz besondere zu werden...












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