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Nothing But Thieves ist eine britische Alternative Rock Band, bestehend aus den fünf Mitgliedern Conor Mason, Joe Langridge-Brown, Dominic Craik, Philip Blake und James Price. Gegründet hat sich die Band im Jahre 2012 und seitdem zwei Alben veröffentlicht. Mit ihrem zweiten Album "Broken Machine", welches erst im September 2017 erschienen ist, sind die fünf Briten momentan auf Tour. Am 31.01.2018 hatte ich die Möglichkeit die Band nicht nur auf ihrem Konzert im Werk2 in Leipzig zu sehen, sondern bereits vorher bei einer Acoustic Session, für die eine Freundin von mir Karten gewonnen hatte. 


31. Januar 2018 - Nothing But Thieves in Leipzig + Live Acoustic Session 

Gegen Mittag machte ich mich von Chemnitz aus auf den Weg nach Leipzig, wo ich mich mit der Freundin treffen würde, die die exklusiven Tickets für die Acoustic Session gewonnen hatte. Nachdem wir einen Kaffee zusammen getrunken hatten, machten wir uns langsam auf den Weg zum Sitz von Impericon, die das kleine Acoustic Konzert bei sich veranstalteten. Als wir ankamen standen schon einige Menschen dort und wir holten uns unsere Gästepässe, die uns erlaubten, an der Show teilzunehmen. Wie immer dauerte es jedoch noch, bis alles anfing und als es dann endlich rein ging wurden wir, zusammen mit ca. 50 - 60 anderen Menschen, in den dritten Stock, in ein kleines Fotostudio geführt, in dem wir uns gemeinsam versammelten. Sophie und ich stellten uns in die zweite Reihe und vor uns war ein kleiner Bereich für die Band vorbereitet - an der Wand im Hintergrund hing ein großer Nothing But Thieves Banner. Es dauerte noch so um die 10 Minuten bis die Band den Raum betrat. 

Um uns herum begannen alle zu klatschen und auch das ein oder andere Jubeln war zu hören. Auch wir klatschten und nachdem Conor eine kleine Ansage gemacht hatte ging es auch schon los und aus den großen Boxen, die links und rechts neben der Band standen kamen laute Töne von Instrumenten. Kurz danach begann Conor zu singen und ich konnte meinen Ohren kaum glauben. Der kleine Raum war auf einmal überfüllt mit Emotionen und die starken, impulsiven Töne, die aus seinem Mund kamen sorgten bei mir für Gänsehaut am ganzen Körper. Ich war bereits vor der Show darauf vorbereitet, dass der Sänger eine unglaublich einzigartige stimme besitzt, doch gerade Unplugged und live, klang sie viel intensiver als auf CD. Insgesamt spielte die Band fünf Lieder, von denen drei live auf Facebook übertragen wurden. 

Als ich mich ein wenig umsah, sah ich auf den Gesichtern um mich herum genau das, was ich ebenfalls in dem Moment fühlte: Fassungslosigkeit. Fassungslosigkeit darüber, wie unglaublich echt und emotional die Band ihre sonst eher rockigen Lieder rüber brachte. Der Raum war von kompletter Stille überflutet, während die Band spielte und lediglich zwischen den Liedern brach das Publikum in lautes klatschen und jubeln aus. Die Unplugged Session von Nothing But Thieves hat definitiv all meine Erwartungen übertroffen und ich ging völlig überwältigt von dem was ich gerade gesehen hatte, aus dem Fotostudio raus und die drei Stockwerke wieder runter. Doch das war noch nicht alles für den Tag. 

Nach dem Unplugged Konzert gingen Sophie und ich noch etwas essen, bevor wir uns weiter auf den Weg machten zum zweiten Konzert des Tages. Als wir am Werk2 ankamen, hatte sich dort bereits eine schlange gebildet und, obwohl es eigentlich so geplant war, schien es, als hätte der Einlass noch nicht begonnen. Also vertrieben wir uns die Zeit in einem Fotoautomaten, der neben der Schlange stand. Wir warteten, bis die Fotos gedruckt waren und stellten uns dann zu den anderen Leuten. Der Einlass hatte bereits begonnen und es dauerte nicht lange, bis wir drinnen waren. Wir stellten uns an die hintere Ecke des Sound Tech Bereiches und hingen unsere Jacken über die Barrikaden. Der Club füllte sich langsam und kurz nachdem wir uns etwas zu trinken geholt hatten, kam die erste der beiden Vorbands auf die Bühne: Airways. Während ich mich viel mit Sophie unterhielt wagte ich ab und zu mal einen Blick ins Publikum. Bereits zu diesem Zeitpunkt war ein großer Teil der Menschen vor uns schon am tanzen und mitsingen. Und ich konnte auch nachvollziehen wieso; Airways machten einen mega Job dort auf der Bühne und hatten offensichtlich extrem viel Spaß an dem, was sie machten. Auch die Musik war total gut und für jeden zu empfehlen, der auf indie/Alternative-Rock steht. 

Airways spielten ca. eine halbe Stunde. Die Lichter gingen wieder an und das Warten fing von vorne an. Ich muss ehrlich sagen, dass ich absolut kein Fan davon bin, wenn Bands mit zwei Support Acts auf Tour sind. Klar, ich entdecke liebend gerne neue Bands, aber so zieht sich alles immer um mindestens 1 1/2 stunden in die Länge und ich werde ungeduldiger, bis die Band, für die ich eigentlich da bin, dann endlich auf die Bühne kommt. Dementsprechend war auch meine Laune, als das Licht anging und der Umbau für die zweite Vorband anfing. Ich wusste, dass sich der Umbau jetzt nochmal 15 - 25 Minuten dauern würde und die Vorband ebenfalls nochmal eine halbe Stunde spielen würde. Ich musste außerdem den letzten Zug nach Chemnitz bekommen und so wie es zu dem Zeitpunkt aussah, würde das, durch die vielen Umbauten kritisch werden. Naja, als die Lichter dann wieder aus gingen, hörte ich mir trotzdem mit voller Aufmerksamkeit die Musik von der Band "The Xcerts" an. 

Auch diese Band hatte viel Spaß auf der Bühne und brachte das Publikum erneut zum tanzen und jubeln. Ganz offensichtlich waren viele Fans der Vorbands auf dem Konzert. Ich muss jedoch gestehen, dass mich die zweite Band nicht besonders umgehauen hat. Die Musik war nicht schlecht, aber auch nicht absolut mein Fall. Trotzdem freute es mich zu sehen, wie viel Stimmung auch bei dieser Band aufkam. Auf vielen Konzerten stehen die Menschen ja nur ruhig im Raum rum und bewegen sich nicht, bis der eigentliche Act auf die Bühne tritt; das finde ich immer ein wenig traurig und ich fand es schön zu sehen, dass so viele Menschen den Bands eine Chance gegeben haben.

Nachdem auch die zweite Vorband ihr Set beendet hatte, begann ein erneuter Umbau auf der Bühne, der ca. eine halbe Stunde gedauert hat. Um ungefähr 21:50 Uhr gingen die Lichter erneut aus und es war endlich Zeit für Nothing But Thieves. Mir blieben noch 1 1/2 stunden, bis ich mich auf den Weg machen musste zum Hauptbahnhof und ich hoffte, dass sich das mit dem Set von Nothing But Thieves decken würde und ich nichts verpassen muss. 

Die Show ging los und auf einmal wurde das Jubeln im Raum immer lauter. Die Band fing an mit dem Song "I'm Not Made By Design"von ihrem neuen Album. Jetzt war auch ich wieder in besserer Laune und begann mit zu tanzen. Da wir relativ weit hinten standen, waren wir nicht mitten im Geschehen und hatten ein wenig Ruhe und Platz für uns. Auch wenn ich normalerweise immer die Person bin, die sich mitten im Moshpit oder ganz vorne an der Barrikade befindet, war es für mich an dem Tag auch mal ganz schön, das ganze Spektakel von hinten zu betrachten. Die Menschen tanzten und sprangen vor der Bühne hin und her, warfen ihre Arme in die Luft und sangen gemeinsam mit der Band die Lieder von vorne bis hinten mit. Egal ob alte oder neue Lieder, das Publikum hatte offensichtlich eine unglaubliche Zeit. Auch da wo wir standen, sangen und tanzten die Leute mit. Obwohl bei uns nicht dieselbe Stimmung aufkam, wie direkt im Publikum, war es doch schön zu sehen, dass selbst in den letzten Reihen die Leute nicht nur still standen. 

Nachdem die erste Hälfte der Show hauptsächlich aus neuen Liedern, die zum tanzen und singen anregten, bestand, wurde es zur zweiten Hälfte etwas ruhiger und mit Liedern wie "If I Get High" und "Graveyard Listening" wechselte die Stimmung im Raum von Party zu Melancholie gemischt mit Bewunderung. Ich finde es immer wieder schön, wenn Bands, die hauptsächlich Rockmusik machen, auch ein wenig Ruhe in ihre Shows mit rein bringen und sich von einer anderen Seite zeigen, die viele oftmals nicht wahrnehmen. Auch während dieses Konzertes war ich wieder absolut begeistert davon, wie sehr sich der Blick auf die Band von der einen auf die andere Minute ändern kann; Während ich kurz vorher noch eine Band mit voller Kraft und Energie auf der Bühne gesehen habe, standen dort in der anderen Minute fünf verletzliche Menschen oben, die all ihre Gefühle in der Musik ausdrücken. Mit "Sorry" fand die Band den perfekten ruhigen, aber auch starken Abschluss des Konzertes. 

Mir blieb nun nicht mehr viel Zeit, um dort zu bleiben un dich hoffte, dass ich wenigstens noch ein Lied der Zugabe mitbekommen würde. Und so sollte es auch sein. Nach ungefähr zwei Minuten kamen die Jungs wieder auf die Bühne und gaben für zwei letzte Songs nochmal alles. Darunter auch einer meiner Lieblingssongs: Amsterdam. Leider konnte ich nicht für das gesamte Lied mehr bleiben, aber ich war froh wenigstens noch die Hälfte mitzubekommen und somit auch fast die ganze Show - da Amsterdam das letzte Lied eines perfekten Abends war. 

Nothing But Thieves haben definitiv eine mega Show abgeliefert - sowohl Unplugged am Nachmittag als auch am Abend, bei dem eigentlichen Konzert. Ich bin super froh darüber, dass ich die Chance wahrgenommen habe und sie endlich - nachdem ich sie auf dem Hurricane Festival letztes Jahr verpasst habe - sehen konnte. Die Band hatte offensichtlich sehr viel Spaß auf der Bühne und das ist auch im gesamten Publikum angekommen, egal ob hinten oder vorne. Und so nahm ein aufregender Abend dann sein Ende, als ich hastig zu meinem Zug rannte, während ich Nothing But Thieves weiterhin laut durch meine Kopfhörer hörte und alles Revue-passieren lies.  
...Nach einer angenehmen Nacht in Berlin machte ich mich gegen Morgen wieder auf den Weg in die nächste Stadt: Leipzig. Im Bus arbeitete ich ein bisschen für die Uni und schlief etwas bevor ich gegen 14 Uhr ankam. In Leipzig würde ich das Konzert mit einer guten Freundin aus Hamburg besuchen, die vor kurzem nach Leipzig gezogen ist. Ich machte mich also auf den Weg zu ihr und wir verbrachten den Nachmittag zusammen in ihrer WG, bevor wir uns Abends in ihr Auto setzten und in Richtung Arena Leipzig fuhren. 

Freitag, 03.11.2017: Konzert 6 von 7 in der Arena Leipzig in Berlin 
Kraftklub bringen die statt - wortwörtlich - zum beben. 

Als wir an der Arena ankamen hatte der Einlass bereits begonnen und wir stellten uns an eine der seitlichen schlangen, da dort weniger Menschen standen. Es dauerte nicht lange und wir kamen an der Kontrolle an, wo man mir sagte, ich solle meine einzelne Powerbank abgeben, da ich diese nicht mit rein nehmen dürfte. Ich verstaute meine Ladestation also kurz woanders und ging dann erneut rein. Da ich bereits kontrolliert wurde, musste ich mich nicht hinten anstellen. 

Wir gingen in die Halle rein und die große Treppe runter, in den Innenraum. Während es vor dem ersten Wellenbrecher bereits relativ gefüllt war, oder zumindest so aussah, da die meisten Leute auf dem Boden saßen, war es im hinteren Bereich etwas leerer. Hanna und ich entschieden uns dafür uns an die B-Stage zu stellen. Wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz an dem dort stehenden Wellenbrecher und, bis auf einige Einschränkungen durch die Techniker, hatten wir auch eine relativ gute Sicht auf die Bühne.

Mit der Zeit begann die Halle sich mehr und mehr zu füllen und langsam wurde mir bewusst, wohin die ganzen 12.000 Menschen passen, die ich mir vorher dort nicht vorstellen konnte. Das Konzert war ausverkauft und wie immer füllte sich zusammen mit der Halle auch mein Freudenthermometer - gerade weil es Hannas erstes Kraftklub Konzert war und mein 15. Doch wir freuten uns auch sehr auf Von Wegen Lisbeth, die bis dahin auf jedem Konzert eine gute Show abgeliefert haben und mich auch in Leipzig erneut begeisterten. Während neben und hinter uns viele still standen ließen Hanna und ich bereits bei der Vorband viel Energie raus. 

Nachdem wir uns warm getanzt hatten begann das Warten auf die Band, wegen der wir eigentlich dort waren: Kraftklub. Wir unterhielten uns ca. eine halbe Stunde lang und dann gingen die Lichter aus und hinter dem Vorhang erschienen - gemeinsam mit den ersten Tönen von "Hallo Nacht" - die Silhouetten der Band. Bereits von Beginn an wusste ich, dass das Konzert überaus anstrengend werden würde, da ich immer noch durch die Gegend humpelte. Aber davon ließ ich mir die Laune nicht verderben und gab von dem Moment an, als die Musik durch die Halle schallte, wieder alles, was nur ging. Die Setlist war genau so aufgebaut, wie bei den letzten Konzerten, doch das war mir egal. Bei jedem Lied durchfuhr mich erneut ein Energiekick und ich sprang wie wild rum, während ich meinen Nachbarn die Texte in die Ohren schrie. Der Mann neben mir schien davon nicht sonderlich begeistert zu sein. Bereits nach ein paar Liedern durfte ich mir anhören, ich solle doch mehr Platz machen und nicht so tanzen, da ich ihn dadurch wegdrücken würde. Mir war das im Endeffekt nicht so wichtig, da ich der Meinung bin, man sollte sich nicht in den Innenraum stellen - vor allem bei einem Konzert wie Kraftklub - wenn man nur blöd rum steht und sich nicht bewegt, sondern seine Frau wie ein kleines Kind beschützt. Ich sagte ihm kurz meine Meinung und fokussierte mich dann wieder voll und ganz auf meine Lieblingsband, die auf der Bühne stand. 

Als dann endlich das Glücksrad auf die Bühne gebracht wurde, hoffte ich, wie fast immer, auf "Irgendeine Nummer". Während die jungen Mädchen reihenweise aus dem Publikum gezogen wurden, drehte eine Frau aus der 4. Reihe an dem Rad. Es drehte und drehte sich und blieb dann bei der Kippenpause stehen - worauf sie eine Zigarette bekam und nochmal drehen durfte. Das Drehen begann von vorne und meine Nervosität stieg. Im Grunde wäre ich mit jedem Song zufrieden gewesen und so störte es mich nicht als, anstatt meines Lieblingsliedes, "Scheissindiedisko" gespielt wurde. Die auserwählte Person, die das Glücksrad gedreht hatte, sprang in die Menge zurück und die ganze Halle begann zu springen. "Scheissindiedisko" ist einer der beliebtesten Songs beim Publikum und das war auch dieses Mal wieder spürbar. Die Leute rasteten aus, als das Glücksrad stehen geblieben war und durch die Halle zog sich eine riesige Welle an Energie, die sich bis zur letzten Sekunde des Songs hielt. 

Vor ein paar Jahren, auf ihrer letzten Tour, hatten Kraftklub bereits in der Arena Leipzig ein Konzert gegeben - damals jedoch nicht ausverkauft. Doch obwohl die Halle damals nicht ausverkauft war, schafften Kraftklub es, dass das Publikum bebte - beziehungsweise, der Boden bebte. Durch das viele Springen und Ausrasten löste das Publikum der Chemnitzer Band vor zwei Jahren ein leichtes Erdbeben in der Umgebung der Arena Leipzig aus, sodass Anwohner die Polizei und Feuerwehr riefen. Natürlich war es für die Jungs klar, das, zusammen mit der ausverkauften Halle, dieses Jahr erneut zu schaffen. Bevor die Band also den allbekannten Song "Ich will nicht nach Berlin" anstimmte machte Felix eine Ansage, in der er alle 12.000 Menschen in der Halle dazu aufforderte, so doll zu springen wie sie nur konnten, um erneut ein Erdbeben auszulösen. Das Publikum - bestehend aus allen möglichen Altersklassen - nahm die Herausforderung natürlich an und sprang so exzessiv es nur konnte, als der Chorus anfing. Lediglich der Mann neben mir und seine Frau schienen noch still zu stehen. Doch das verhinderte nicht, dass Kraftklub es erneut schafften ein Erdbeben auszulösen und die Anwohner in der Umgebung nach Hilfe riefen. In der Halle selber merkte man davon natürlich nicht wirklich etwas, außer, die unglaubliche Stimmung, die sich auf einmal im Raum verbreitete. Alle gaben ihr B
estes, sangen mit und sprangen so hoch und so sehr, wie es noch ging. In diesem Moment durchfuhr mich pures Glück. Das Konzert war in diesem einen Moment komplett - alle waren eins mit dem Beat und mit den Leuten um sich herum und der Band auf der Bühne. 

Nachdem wir das Erdbeben ausgelöst hatten ging es weiter mit der üblichen Setlist und als das Medley uns wieder durch alle möglichen Launen gezogen hatte, ein alter Klassiker zusammen mit Von Wegen Lisbeth auf die Bühne gebracht wurde, Scheine durch die Halle flogen und das Publikum gemeinsam in aller Ruhe "Chemie Chemie ya" als Chor sang, kamen die Jungs zu uns. Es war Zeit für die B-Stage. 

Die Halle war dunkel, von überall kam Gejubel und die Spannung in mir stieg an. Plötzlich ging das Licht über uns an und der Fokus war auf der Bühne, nur ca. einen Meter von uns entfernt, gerichtet. Die 5 Jungs, mittlerweile schon komplett durchgeschwitzt und erledigt (aber trotzdem noch gut gelaunt), richteten sich ein bevor sie mit "Schüsse in die Luft" anfingen, während sich die Bühne langsam nach oben bewegte, so dass alle in der Halle einen Blick auf sie hatten. Je weiter die Bühne jedoch nach oben fuhr, desto weniger konnten wir sehen. Doch das störte mich nicht. Ich war froh dort zu sein und das zu machen, was mir am meisten Spaß macht: auf Konzerte gehen; Konzerte, die vor Stimmung nur so sprudeln. Der zweite und somit letzte Song auf der B-Stage war "Randale". Der Song nahm wie immer seinen Lauf und während sich zum Ende hin alle in die Hocke setzten machte Felix noch eine kurze Ansage. Er forderte das Publikum dazu auf, den Moment zu filmen, in dem alle hoch gehen - wenn alle ihre Sachen in die Luft werfen und allen Stress loslassen. Er wollte, dass wir das Ganze filmen und auf ihrer Website hochladen, da sie mit den Videos etwas geplant hätten. In dem Moment sah ich auf einem Kraftklub Konzert zum aller ersten Mal wirklich viele Handys in der Luft. Auch Hanna und ich hoben unsere Telefone in die Luft und filmten den Moment. Die Leute sprangen auf und warfen all ihre Dinge in die durch die Halle. Es wurde zu einer einzigen Party, bei der die Menschen sich für einen kurzen Moment von ihrem Druck befreiten und sich gehen ließen. Es war wunderbar.

Wie immer ging es danach um das Wett-Crowdsurfen zurück zur Bühne, bevor die Band die letzten beiden Lieder der vorletzten Show der Tour anstimmten. Noch zwei Male gaben alle Alles und tanzten als ob es kein Morgen gäbe. Und dann war auf einmal wieder alles vorbei. Zwei Stunden, die sich anfühlten wie 5 Minuten. Zwei Stunden voller Emotionen, Party, schwitzen, springen, singen und noch mehr springen nahmen ihr Ende und vor mir stand nur noch ein Konzert, welchem ich auch mit sehr wenig Schlaf entgegentreten würde. Doch diese letzte Show versprach schon jetzt eine ganz besondere zu werden...












Wer meinen Blog regelmäßig liest weiß, dass ich dieses Jahr bereits mehrere Male über den deutsch-amerikanischen Rapper Casper (gebürtig: Bejamin Griffey) berichtet habe. Ich hatte dieses Jahr die Ehre ihn bereits auf zwei Festivals und einem seiner Geheimkonzerte zu sehen. Gestern war es dann wieder so weit, als Casper mit seiner "Lang l ebe der Tod"-Tour in die Arena Leipzig kam und ich mich auf den Weg in die nicht allzu weit entfernte Großstadt machte. 

Dienstag, 22.11.2017: LANG LEBE LEIPZIG

Ich machte mich gegen Nachmittag von Chemnitz aus auf den Weg nach Leipzig, um mich dort mit Freunden zu treffen, mit denen ich zusammen auf das Konzert gehen würde. Gegen 17 Uhr trafen wir uns am Leipziger Hauptbahnhof - also genau zu der Zeit, als der Einlass begonnen hatte. Da wir uns keine Vorstellungen gemacht hatten, an einem ganz bestimmten Ort zu stehen und die Show auch erst zwei Stunden nach Einlass beginnen sollte, setzten wir uns in der Leipziger Innenstadt noch in ein Restaurant. Als wir fertig waren mit essen, machten wir uns auf den Weg zu der Arena, in der ich vor ein paar Wochen Kraftklub gesehen habe. Die Arena war nur zwei Stationen mit der Bahn entfernt und wir erreichten sie um ca. kurz nach 19 Uhr. 

Als wir in die Halle rein kamen, war sie bereits dunkel und der Support Act Fatoni stand auf der Bühne. Fatoni ist ein deutscher Rapper, von dem ich zum ersten Mal auf dem diesjährigen Kosmonaut Festival gehört hatte. Nach dem Festival habe ich damit angefangen, seine Musik ein bisschen regelmäßiger zu hören und mich daher sehr gefreut, als Casper bekanntgegeben hatte, dass Fatoni bei ihm als Support sein würde. Während wir also noch kurz zur Garderobe gingen, lief ich tanzend und singend durch den Garderoben- und Barbereich. Nachdem meine Freunde ihre Sachen abgegeben hatten gingen wir runter in den Innenraum Bereich, um uns den Rest der Show von Fatoni anzusehen. Die Halle war zu dem Zeitpunkt - zumindest im Innenraum - noch relativ leer und so fiel es uns nicht schwer, einen guten Platz zu finden. Fatoni machte derweil Stimmung auf der Bühne und wärmte das Publikum mit seinen Laune machenden Texten auf. Auch bei uns hinten nickten die Leute mit ihren Köpfen und Körpern. Fatoni hatte offensichtlich Spaß daran, auf der Bühne zu stehen, ebenso, wie daran, sich mit den Leuten vor ihm zu unterhalten. Es war schön anzusehen, wie er auf der Bühne stand und seine Laune wenigstens in Teilen auf das Publikum überging. Etwas weiter vorne sah man sogar schon zu dem Zeitpunkt die ein oder andere Menschengruppe am springen. 

Ungefähr gegen 19:40 Uhr verließ Fatoni dann die Bühne und das Licht in der Halle ging wieder an. Da wir damit rechneten, dass nun noch ein Schwung an Menschen kommen würde, entschieden wir uns dazu, bereits zu dem Zeitpunkt ein wenig weiter nach vorne zu gehen, um näher an der Bühne zu sein. Also gingen wir weiter nach vorne, wo es noch relativ viel Platz gab und wir uns nicht durch die Reihen quetschen mussten, um einen geeigneten Platz zu finden. Während durch die Halle laut Musik schallte und die Bühnencrew die Bühne umbaute und für das bevorstehende Konzert vorbereitete, unterhielten wir uns. 

Um 20:15 Uhr gingen dann die Lichter aus und der Kabuki - also der Vorhang, der vor der Bühne hing - fiel ein wenig zu früh, und zwar direkt mit Liedbeginn. Wir konnten also sehen, wie dann die ganze Band und Casper auf die Bühne liefen, anstatt erstmal nur Schatten zu sehen. Das sorgte jedoch nicht für weniger Jubeln im Publikum, sondern wahrscheinlich sogar für mehr. Das hauptsächlich sehr junge und weibliche Publikum forderte seine Stimmbänder von der ersten Minute an. Alle schrien und man freute sich offensichtlich über den Beginn des Konzertes und vor allem über Casper auf der Bühne. Auch ich freute mich darüber, endlich wieder auf einem Casper Konzert oder auch, auf einem Konzert allgemein zu sein. Auch zu dem Zeitpunkt hatten wir immer noch sehr viel Platz dort wo wir standen, was sehr angenehm war. 

Wie auch bei den Festivals startete Casper die Show mit dem Lied "Alles ist erleuchtet" von seinem neuen Album "Lang lebe der Tod" (über das ich kurz nach seinem Erscheinen eine Review geschrieben habe). Als die ersten Töne des Songs durch die Halle schallten wurde das Jubeln immer lauter, bis alle anfingen mit zu rappen. Auch ich begann mit den anderen zusammen die Texte durch die Halle zu schreien und zu tanzen. Ich freute mich darüber, da zu sein und langsam aber sicher zeichnete sich auf meinem Gesicht ein breites Grinsen ab - und das bereits beim ersten Song. Das Konzert versprach jetzt schon überaus gut zu werden. Die nächsten Lieder, die sowohl vom neuen Album als auch vom vorletzten Album "Hinterland" waren, liefen ungefähr genauso ab. Die Masse sprang motiviert auf und ab, sang alle Texte mit und jubelte viel. Zwischendurch gab es ein paar Minuten wo die meisten in meiner Umgebung still standen und auch nicht wirklich mitmachten, aber das störte mich nicht. Auch wenn die Leute um mich herum eher ruhig waren, sang ich immer noch alle Texte laut mit und tanzte mir das Herz aus der Seele.

Bei dem ca. siebten Lied des Konzertes brach das Publikum bereits bei den ersten Tönen in lautes Jubeln aus. Anders als die vorherigen Lieder war es nämlich ein etwas älteres, ein von allen geliebtes Lied, von einem von allen geliebtem Album. Als "Die letzte Gang der Stadt" durch die Arena schallte fingen die vielen jungen Mädchen um mich herum wie wild an zu kreischen und sich in die Arme zu nehmen, während das Grinsen in meinem Gesicht noch viel breiter wurde als bei den vorherigen Songs. Auch das nächste Lied war eines der älteren und sorgte somit für überaus viel Begeisterung unter den Menschen in der Halle. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Leute bei den neueren Liedern bloß still standen und keine Begeisterung zeigten - ganz im Gegenteil: auch bei diesen Liedern war das Publikum voll dabei und so waren die nächsten paar Lieder, die hauptsächliche vom neuen Album kamen (unter anderem Sirenen) auch absolute Hits, jetzt wo mehr Stimmung da war.

Die Stimmung wurde von Lied zu Lied besser und immer mehr Leute um mich herum begangen zu springen und tanzen. So ging es eine ganze Weile, bis Casper zwei etwas traurigere Lieder anstimmte - Das Grizzly Lied und Michael X. Beides sind sehr emotionale Lieder und spalteten sich in ihrem Beat stark vom Rest ab. Das Publikum wurde ganz still und alle standen ruhig da und guckten Casper dabei zu, wie er auf der Bühne stand und die Lieder sang. Einigen trieb es auch die ein oder andere Träne ins Auge. Auch ich musste mich zusammenreißen, nicht zu weinen. Wäre ich in Hamburg mit meinen Freunden dort gewesen, hätten wir uns wahrscheinlich heulend in den Armen gelegen. 

Wie auch schon bei den anderen Casper Konzerten, auf denen ich dieses Jahr war, brachte Benjamin die Stimmung wieder nach oben indem er mit "Der Druck steigt" weiter machte. Das Publikum jubelte wieder und sprang gemeinsam auf und ab. Danach wechselte er für den zweiten Teil, "Blut sehen", auf die B-Stage, während die Band auf der Bühne weiterhin die Musik spielte. Dort blieb er jedoch nur relativ kurz, bevor er wieder auf die Main-Stage wechselte; was in der Halle jedoch nicht allzu schlimm ist, da der Innenraum-Bereich in der 12.000-Mann Halle überschaubar ist. Zurück auf der großen Bühne spielte Casper noch ein paar Lieder vom neuen Album, darunter auch das Lied zum gleichnamigen Album "Lang lebe der Tod". Die Halle eskalierte. Das Lied war definitiv eines der Highlights der Shows, für das Publikum. Von vorne bis hinten sangen alle mit und tanzten, waren glücklich darüber, dass das Lied gespielt wurde. Danach war die Bühne leer und die Leute in der Halle schrien nach einer Zugabe.  

Für drei Lieder kam Casper + Band kurz danach wieder auf die Bühne. "Keine Angst", "Jambalaya" und "Flackern, flimmern" - drei Lieder wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, doch trotzdem die perfekte Zugabe ergaben. Von singen und tanzen bei "Keine Angst", springen und raven bei dem Drunken Masters Remix von "Jambalaya", bis zum fast wieder weinen doch dann von der Welle der Melodie gepackt werden bei "Flackern, flimmern" war alles dabei und ich am Ende überglücklich dort gewesen zu sein. 
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